Die ‚Zwergenwand‘ aus SCHNEEWITTCHEN


In den Fluren des Staatsballetts Berlin hingen in den letzten Wochen immer wieder die Kostüme von Jean Paul Gaultier für das zeitgenössische Märchenballett SCHNEEWITTCHEN und warteten auf die Vorstellung. Auch eine etwas unheimliche Babypuppe ist dabei….

Doch nicht nur die außergewöhnlichen Kostüme überzeugen, viele Überraschungen für das Publikum hält auch das Bühnenbild von Thierry Leproust bereit, das natürlich außerdem die Choreographie beeinflusst:

Neben Flugwerken erstaunt vor Allem die Ankunft und Vorstellung der Zwerge, die ganz unerwartet und plötzlich aus den Löchern einer 18 Meter breiten und 8 Meter hohen Felsenwand kriechen und sich abseilen.

Die massiv wirkende Wand besteht aus einem schweren Eisengerüst, auf dem mit Farbe und Kettensäge bearbeitete ‚Felsenteile‘ aus Holz und Styropor befestigt sind.

Die sieben Tänzer, die die Zwerge darstellen, werden durch Kletterseile gesichert und präsentieren an der Wand eine dynamische und spannende Choreographie mit Drehungen, Schaukel- und Schwingbewegungen, die auch kopfüber und vertikal ausgeführt wird.

Scheinbar schwerelos laufen die Tänzer die Wand hinauf und man fragt sich, welches System wohl dahinter stecken mag…? Hier kommt die Auflösung:

Auf der Rückseite der Wand hängt an jedem der Tänzer ein Gewicht, das dem Körpergewicht der jeweiligen Person entspricht. Daher ist es nötig, nochmals auf die Waage zu steigen, wenn die Produktion längere Zeit nicht aufgeführt wurde! Denn nur so kann ein Absturz verhindert werden und scheinbare schwerelose Bewegungen sind möglich.

Vor der Premiere am 26. April 2009 probten die Zwerge drei Wochen lang, um das richtige Gefühl für die Gewichtsverlagerung, die zum Drehen, Schwingen und Schweben notwendig ist, zu bekommen. Zuerst hingen die Jungs wie ‚nasse Säcke‘ an den Seilen und mussten sich erst einfinden und an die Situation gewöhnen, um dann auf der Bühne alles leicht und einfach wirken lassen zu können.

Das Gerüst wurde damals in der Kirche Sankt Johannes Evangelist am Oranienburger Tor aufgebaut, da im Ballettsaal für so einen riesigen Aufbau nicht genügend Platz vorhanden war.

Zu einem Podcast zum Making Of von SCHNEEWITTCHEN geht es hier.

In Perfektion kann man diese Meisterleistung in der Spielzeit 2010/11 noch zweimal bewundern:

01 | 07 Juli 2011

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Über Staatsballett Berlin

Das Staatsballett Berlin ging 2004 aus der Stiftung Oper in Berlin hervor, durch deren Gründung die Ballett-Compagnien der drei Berliner Opernhäuser in eine Institution überführt wurden. Vladimir Malakhov steht als Intendant an der Spitze der klassisch geschulten Compagnie, die mit 88 Tänzerinnen und Tänzern gegenwärtig die größte in Deutschland ist. Gemäß dem Leitsatz „die Tradition bewahren, die Gegenwart sichtbar machen und die Zukunft fördern“ ist es das Ziel des Staatsballetts Berlin, ein unverwechselbares Ensemble zu formen, die tänzerische Qualität zu sichern, und ein auf die Compagnie zugeschnittenes Repertoire aufzubauen. Der größte Akzent liegt auf dem klassischen Repertoire, das durch Werke der klassischen Moderne und die Arbeit mit zeitgenössischen Choreographen ergänzt wird.

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