SCHNEEWITTCHEN und die sieben Zwerge


Endlich ist es wieder soweit!

Das zeitgenössische Ballett SCHNEEWITTCHEN des französischen Choreographen Angelin Preljocaj kommt wieder auf die Bühne der Deutschen Oper Berlin:

Geheimnisvoll, verspielt, romantisch, aber zugleich auch aufbrausend, wild und aufregend – das ist das moderne Tanzstück SCHNEEWITTCHEN mit den atemberaubenden Kostümen von Jean Paul Gaultier. Lassen Sie sich von der Musik Gustav Mahlers in Verbindung mit elektronischen Klängen in eine märchenhafte Welt entführen.

Beeindruckend und atemberaubend ist auch das Bühnenbild. Vor allem die Wand, an der die sieben Zwerge tanzen, bleibt Jedem in Erinnerung.

Sie werden getanzt von Alexander Korn, Artur Lill, David Simic, Federico Spallitta, Javier Peña Vazquez, Kévin Pouzou und Vladislav Marinov.

Unser Solotänzer Vladislav Marinov, der einen der sieben Zwerge darstellt, hat uns erzählt, wie es ist, kopfüber zu tanzen. :-)

Vladislav hat übrigens auch den Podcast mit Blick hinter die Kulissen von SCHNEEWITTCHEN gedreht. Schaut doch mal hier.

Macht es Spaß, auf der Bühne mal akrobatischer zu agieren, wie als Zwerg an der Wand in SCHNEEWITTCHEN? Und nicht ‚nur‘ zu tanzen…

„Natürlich, was für eine Frage. (lacht) Es ist allerdings nichts Neues für mich, auf der Bühne akrobatisch zu sein, aber es macht mir immer viel Freude. Ich mache gerne etwas anderes, als ausschließlich klassischen Tanz.
Auch meine Rolle als weißes Kaninchen in ALICE`S WONDERLAND (2007) von Giorgio Madia war akrobatisch.

Aber hier bei SCHNEEWITTCHEN ist es anders, da man auch kopfüber hängt. Man ist viel leichter und sieht die Welt aus einer anderen Perspektive. Sonst landet man doch immer wieder auf den Beinen, aber jetzt ist die Welt verkehrt und umgedreht.“

Musstet ihr lange üben, um euch sicher zu fühlen? Und vor allem, wie habt ihr geprobt und worauf müsst ihr besonders achten?

„Am Anfang war es schwierig, an der Wand entlang zu laufen, da der Kopf immer genau wusste, wo oben und unten ist und sich nicht so leicht davon lösen konnte. Wir haben zuerst einfach das ‚an der Wand-spazieren‘ geübt. Mit der Zeit wurde es immer leichter. Vor allem, nachdem ich mir klar gemacht hatte, dass ich meine Perspektive ändern müsste. Ich habe mir ausgedacht, ich sei ein ganz anderer Mensch und so wurde es viel leichter. Ich habe mir vorgestellt, ich würde auf dem Mond laufen und habe versucht, das Gefühl zu erlangen.

Die Gravitation spielt natürlich eine große Rolle, aber durch das Gegengewicht bist du viel leichter. [Für Informationen zum ausgeklügelten System, das dahinter steckt, lest unseren Blogartikel „Die ‚Zwergenwand‘ aus SCHNEEWITTCHEN“ vom 29. Juni 2011.] Etwas unangenehm ist der Klettergurt, der natürlich sehr eng sein muss.

Wir haben ziemlich lang geübt, um alle Bewegungen zu erlernen und uns sicher zu fühlen. Denn es war ja wirklich alles komplett neu für uns.

Ich war dann auch ein wenig enttäuscht, dass ich das niedrigste Loch zugewiesen bekommen habe. Je niedriger das Loch ist, desto kürzer ist das Seil, man kann weniger Schwung holen und die Drehungen an der Wand werden schwieriger.

Eine andere Schwierigkeit ist es, dass man einen Nachbarn neben sich ‚hängen‘ hat, der Einem recht nah ist. Es ist eine gute Koordination nötig und anfangs sind wir auch mal auf dem Seil des Nachbartänzers gelandet.

Wir haben in der Kirche Sankt Johannes Evangelist am Oranienburger Tor geprobt, wo die Wand aufgebaut wurde. Es war ein recht langer Prozess. Zuerst hat jeder Tänzer einzeln geprobt, die Wand hoch und runter zu kommen.

Es ist wichtig, das Gefühl zu bekommen, wo das eigene Zentrum ist und wie man sein Gewicht verlagern kann, um runter zu kommen. Um wieder hinauf zu gelangen, muss man ja leichter sein. Man wird immer schwerer, je weiter man sich von der Wand entfernt, je näher man an der Wand ist, desto leichter wird man.

Zu Beginn hatten wir zwei Kletterlehrer, die uns alles Wissenswerte über den Gurt und die Seile erklärt haben. Die Tricks, die für die Choreographie nötig sind, sind aber alle neu. Wir haben zusammen mit unseren Lehrern viel nachgedacht und selbst ausprobiert. Danach haben wir uns gemeinsam besprochen und den Kollegen erzählt, was wir für Erfahrungen gemacht haben. Auch Claudia de Smet, die Assistentin von Angelin Preljocaj, hat uns viel geholfen.

Aber eigentlich ist es so wie im Ballett auch: Der Choreograph kann einem die Schritte zeigen, aber das Tanzen muss aus mir selbst heraus kommen. Ich muss selbst entdecken, wie es für mich bequem wird.

Es war eine Herausforderung, das System leichter und vor allem auch leiser zu machen, denn die Rollen machten anfangs einen ziemlichen Krach.“

Seid ihr mittlerweile souverän oder muss man bei jeder Vorstellung sehr konzentriert sein?

„Man muss natürlich besonders auf die Sicherheit achten. Vor jeder Vorstellung muss man das Gegengewicht kontrollieren und testen, ob der Gurt fest sitzt. Ich hebe auch das Gewicht immer lieber nochmals an. Wir haben zu Beginn gelernt, worauf wir alles achten müssen. Klettert man dann oben aus seinem Loch, muss man sich zuerst festhalten und dann langsam locker lassen, um das Gegengewicht zu prüfen. In Frankreich soll nämlich bereits ein Unfall passiert sein.

Vor jeder Vorstellung konzentriere ich mich genau auf die Schritte. Egal wie leicht oder ‚blöd‘ mein Part ist, es ist trotzdem eine Vorstellung und es ist wichtig für mich, genau zu wissen, was ich mache.

Mittlerweile ist die Choreographie (auch an der Wand) leichter und routinierter und man kann mehr Spaß haben. Beim allerletzten Teilstück ist man frei und kann improvisieren. Aber die Konzentration muss immer da sein, vor allem, weil wir zu siebt sind, an der Wand.

Nach der Formation, die wie ein Vogel aussieht [die Tänzer laufen in einer Reihe an der Wand auf- und wieder ab], kommt meistens Applaus. Das ist eine gefährliche Situation, da das Ende der Choreographie noch nicht erreicht ist und wir uns weiterhin konzentrieren müssen, um uns nicht zu verletzen.

Ich bin so glücklich und kann nicht warten, wieder an der Wand zu sein. Es ist wie eine andere Welt und ich fühle mich daran wie ein Superheld.“ :-)

Wenn ihr dabei sein wollt, wenn unsere Tänzer zu Superhelden werden, habt ihr in dieser Spielzeit folgende Möglichkeiten:

Termine SCHNEEWITTCHEN

06 | 09 | 21 | 29 März 2012
11 April 2012

Heute Morgen fand die erste Bühnenprobe für die Zwerge statt. Am 6.3. findet dann die erste SCHNEEWITTCHEN-Vorstellung der Spielzeit nach einer Langen Pause statt! Die Tänzer müssen sich also erstmal wieder an die Klettergurte, die Wand etc. gewöhnen.

Fotos: Svenja Klein

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About Staatsballett Berlin

Im Januar 2014 feierte das Staatsballett Berlin sein 10-jähriges Bestehen. Doch die Tradition reicht weit darüber hinaus. Historisch betrachtet besteht die Compagnie aus einer Zusammenführung der vormaligen Ballettensembles der drei Berliner Opernhäuser im Jahr 2004. Seitdem hat sich das Staatsballett zu einer der führenden Compagnien weltweit entwickelt. Als derzeit größte Compagnie Deutschlands und als Berlins einziges klassisch geschultes Ballettensemble brillieren die Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie in der gesamten Vielfalt des Ballettrepertoires: Fest verankert im klassischen Repertoire werden ebenso neoklassische und zeitgenössische Werke präsentiert. Getanzt wird auf den Bühnen der Deutschen Oper Berlin, der Komischen Oper Berlin und der Staatsoper im Schiller Theater. Seit 2011 hat das Staatsballett Berlin seinen Sitz in der Deutschen Oper Berlin. Im ehemaligen Malsaal und der Kaschierwerkstatt des Opernhauses entstanden moderne Ballettstudios, die hervorragende Arbeitsbedingungen bieten. Mit Beginn der Spielzeit 2014/2015 hat der Spanier Nacho Duato die Intendanz des Staatsballetts Berlin übernommen.

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