Was macht eigentlich…? – BUCHBINDERIN: Ute Wegener


Heute stellen wir euch die Arbeit von Ute Wegener vor. Sie ist Buchbinderin an der Deutschen Oper Berlin, in der auch das Staatsballett Berlin beheimatet ist, und somit auch für die Noten unserer Produktionen zuständig. Wir haben sie über ihren interessanten und immer seltener werdenden Beruf ausgefragt.

Wie kamen Sie auf die Idee, Buchbinderin zu werden?

Ute Wegener: Früher war es so, dass man nach dem Schulabschluss zu einer Beratung beim Arbeitsamt ging, hier wurden Tests gemacht und es wurde geschaut, was einem liegen könnte. Mir wurde der Beruf des Buchbinders vorgeschlagen. Ich hatte noch nie davon gehört, fand aber, dass es interessant klingt und habe kurz darauf meine Ausbildung begonnen.

Ich habe eine dreijährige Ausbildung beim Berufsamt Schöneberg gemacht, von 1982 bis 1985. Im Juli ‘85 hatte ich ausgelernt und habe meine Gesellenprüfung bestanden.

Seit wann arbeiten Sie in dem Beruf und seit wann sind Sie an der Deutschen Oper Berlin beschäftigt?

Ute Wegener: Ich habe sofort im September 1985 an der Deutschen Oper Berlin begonnen. Nach Absolvierung meiner Lehre erfuhr ich von einer Bekannten, dass an der Deutschen Oper eine Stelle frei ist, ich habe mich beworben und wurde sofort angenommen.

Was kann man sich unter Ihrem Beruf vorstellen? Was sind Ihre genauen Aufgaben?

Ute Wegener: Ich bin besonders auf alles, was mit Noten zu tun hat, spezialisiert. Bei Orchesternoten gibt es eine ganz bestimmte Technik, die sich zum Beispiel von einem Regieauszug unterscheidet. Das Buch muss ganz glatt und gerade auf dem Notenständer liegen können, ohne sich von alleine umzublättern.

Ich binde für alle Produktionen, die an der Deutschen Oper stattfinden, die Bücher. Neben den Orchesterstimmen und Regieauszügen gehören dazu Klavierauszüge, Gesangsstimmen für den Kinderchor, das Inspizientenbuch oder auch die Noten für Ballettproduktionen.

Es wird Wert darauf gelegt (zum Beispiel vom Orchester), dass es sich um gutes Handwerk handelt. Der Unterschied zur Industriebuchbinderei besteht darin, dass die Bücher nicht schnell zusammengeleimt werden, sondern in Handarbeit mit Nadel und Faden hergestellt werden. So sind die Produkte viel stabiler und fallen nicht auseinander. Das ist bei Notenmaterial sehr wichtig, weil es sehr stark beansprucht wird.

Das A und O bei meiner Arbeit ist Konzentration. Die Seiten dürfen natürlich nicht in die falsche Reihenfolge geraten, weshalb jedes Exemplar mehrmals kontrolliert werden muss.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf als Buchbinderin?

Ute Wegener: Alles. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man sieht, was man gemacht hat. Ein nettes Erlebnis war es, als eine Orchestermusikerin mit einer kaputten Stimme zu mir kam, aus der es unmöglich war, noch zu spielen. Ich habe ihre Stimme erneuert, zum Beispiel jede einzelne Seite breiter gemacht und dann neu gebunden. Die Musikerin war so begeistert und meinte, so eine schöne Stimme hätte sie noch nie gehabt, es mache eine solche Freude daraus zu spielen. Das freut mich natürlich.

Viele Leute denken, Bücher zu binden ginge ratzfatz, aber es ist ein altes Handwerk und macht enorm viel Arbeit. Es müssen Lagen gebildet werden, geheftet werden, Buchdecken müssen hergestellt werden, es wird gerundet etc pp.

Hat sich der Beruf im Laufe der letzten Jahre verändert? Wenn ja, wie?

Ute Wegener: Bei mir persönlich kommen zahlreiche Extraveranstaltungen hinzu, wie zum Beispiel Ballett-Galas oder die Aids-Gala. Hierfür fertige ich auch die Stimmen an.

Es gibt heutzutage natürlich neuere Pressen, aber ich arbeite am liebsten mit meiner alten. Die steht bombenfest, die neue ist mir zu instabil.

Außerdem ist meine Schneidemaschine von 1989 mein ganzer Stolz. Sie ist sehr gut gepflegt und wird mal mit mir in Rente gehen. ;-)

Haben Sie generell eine andere Sichtweise auf Bücher, Hefte und andere Printprodukte?

Ja, man guckt schon darauf. Kaufe ich mir zum Beispiel ein Buch für 19,90 € und sehe dann, dass es klebegebunden ist, frage ich mich, warum es soviel kostet? Es gibt viele Bücher mit schönem festen Einband, die aber nicht gebunden, sondern geklebt sind.

Lesen Sie privat gerne und gehen Sie auch gerne privat in die Oper, Konzerte oder Ballettvorstellungen?

Ute Wegener: Ja, ich lese gerne, habe aber kaum Zeit dazu. Ich bin ein ganz großer PEER GYNT-Fan, ich fand die Vorstellung sehr beeindruckend und war wie hypnotisiert. SCHNEEWITTCHEN fand ich auch ganz toll, ich war total begeistert und angetan von der Produktion.

Zuerst habe ich mich nicht so rangetraut, bin dann aber doch mal zu einer Vorstellung gegangen und war überwältigt.

Fotos: Svenja Klein

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About Staatsballett Berlin

Im Januar 2014 feierte das Staatsballett Berlin sein 10-jähriges Bestehen. Doch die Tradition reicht weit darüber hinaus. Historisch betrachtet besteht die Compagnie aus einer Zusammenführung der vormaligen Ballettensembles der drei Berliner Opernhäuser im Jahr 2004. Seitdem hat sich das Staatsballett zu einer der führenden Compagnien weltweit entwickelt. Als derzeit größte Compagnie Deutschlands und als Berlins einziges klassisch geschultes Ballettensemble brillieren die Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie in der gesamten Vielfalt des Ballettrepertoires: Fest verankert im klassischen Repertoire werden ebenso neoklassische und zeitgenössische Werke präsentiert. Getanzt wird auf den Bühnen der Deutschen Oper Berlin, der Komischen Oper Berlin und der Staatsoper im Schiller Theater. Seit 2011 hat das Staatsballett Berlin seinen Sitz in der Deutschen Oper Berlin. Im ehemaligen Malsaal und der Kaschierwerkstatt des Opernhauses entstanden moderne Ballettstudios, die hervorragende Arbeitsbedingungen bieten. Mit Beginn der Spielzeit 2014/2015 hat der Spanier Nacho Duato die Intendanz des Staatsballetts Berlin übernommen.

3 responses to “Was macht eigentlich…? – BUCHBINDERIN: Ute Wegener”

  1. Angeli Eder says :

    Ganz toller Artikel! Vielen vielen Dank! Phantastisch, daß die Staatsoper eine solch handwerklich hochwertige Arbeit seinen Künstlern zur Verfügung stellt! :-))

  2. Irene Möller says :

    Vielen Dank an Svenja Klein für die großartigen Fotos ! :-)
    So kann man sich vorstellen, wovon in dem interessanten Interview gesprochen wird. Ute Wegener und ihre Buchbinderei – wie spannend, was so alles “hinter den Kulissen” passiert – ein tolle Idee von Euch, liebes Team, uns auf so wichtige Mitarbeiter aufmerksam zu machen !
    Wir wünschen Frau Wegener weiterhin viel Freude bei ihrer Tätigkeit und ganz sicher werden wir Gedrucktes aus dem Opernhaus mit mehr Aufmerksamkeit anschauen.
    Herzliche Grüße an Frau Wegener ! Auch mich hat “Peer Gynt” so begeistert wie sie. Für die kommenden Vorstellungen liegen schon die Tickets auf meinem Tisch ! :-) Vielleicht sehe ich Frau Wegener – dann werde ich sie fragen, was in dem Buch des Inspezienten steht – oder Ihr erzählt es uns bei dem nächsten “Was macht eigentlich …?”
    Mit Dank und herzlichen Grüßen – Eure Irene Möller

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