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WENN DAS WOHNZIMMER ZUR PROBEBÜHNE WIRD


Zu Besuch bei Iana Salenko und Marian Walter
Die beiden Ersten Solisten sind ein Tänzer-Ehepaar. Der Alltag mit Sohn und zwei Hunden in ihrem Häuschen unweit des Flughafens Tegel läuft ziemlich turbulent ab, S. 4/5

Opernjournal der Deutschen Oper Berlin, Februar 2013

Was macht eigentlich…? – BUCHBINDERIN: Ute Wegener


Heute stellen wir euch die Arbeit von Ute Wegener vor. Sie ist Buchbinderin an der Deutschen Oper Berlin, in der auch das Staatsballett Berlin beheimatet ist, und somit auch für die Noten unserer Produktionen zuständig. Wir haben sie über ihren interessanten und immer seltener werdenden Beruf ausgefragt.

Wie kamen Sie auf die Idee, Buchbinderin zu werden?

Ute Wegener: Früher war es so, dass man nach dem Schulabschluss zu einer Beratung beim Arbeitsamt ging, hier wurden Tests gemacht und es wurde geschaut, was einem liegen könnte. Mir wurde der Beruf des Buchbinders vorgeschlagen. Ich hatte noch nie davon gehört, fand aber, dass es interessant klingt und habe kurz darauf meine Ausbildung begonnen.

Ich habe eine dreijährige Ausbildung beim Berufsamt Schöneberg gemacht, von 1982 bis 1985. Im Juli ‘85 hatte ich ausgelernt und habe meine Gesellenprüfung bestanden.

Seit wann arbeiten Sie in dem Beruf und seit wann sind Sie an der Deutschen Oper Berlin beschäftigt?

Ute Wegener: Ich habe sofort im September 1985 an der Deutschen Oper Berlin begonnen. Nach Absolvierung meiner Lehre erfuhr ich von einer Bekannten, dass an der Deutschen Oper eine Stelle frei ist, ich habe mich beworben und wurde sofort angenommen.

Was kann man sich unter Ihrem Beruf vorstellen? Was sind Ihre genauen Aufgaben?

Ute Wegener: Ich bin besonders auf alles, was mit Noten zu tun hat, spezialisiert. Bei Orchesternoten gibt es eine ganz bestimmte Technik, die sich zum Beispiel von einem Regieauszug unterscheidet. Das Buch muss ganz glatt und gerade auf dem Notenständer liegen können, ohne sich von alleine umzublättern.

Ich binde für alle Produktionen, die an der Deutschen Oper stattfinden, die Bücher. Neben den Orchesterstimmen und Regieauszügen gehören dazu Klavierauszüge, Gesangsstimmen für den Kinderchor, das Inspizientenbuch oder auch die Noten für Ballettproduktionen.

Es wird Wert darauf gelegt (zum Beispiel vom Orchester), dass es sich um gutes Handwerk handelt. Der Unterschied zur Industriebuchbinderei besteht darin, dass die Bücher nicht schnell zusammengeleimt werden, sondern in Handarbeit mit Nadel und Faden hergestellt werden. So sind die Produkte viel stabiler und fallen nicht auseinander. Das ist bei Notenmaterial sehr wichtig, weil es sehr stark beansprucht wird.

Das A und O bei meiner Arbeit ist Konzentration. Die Seiten dürfen natürlich nicht in die falsche Reihenfolge geraten, weshalb jedes Exemplar mehrmals kontrolliert werden muss.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf als Buchbinderin?

Ute Wegener: Alles. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man sieht, was man gemacht hat. Ein nettes Erlebnis war es, als eine Orchestermusikerin mit einer kaputten Stimme zu mir kam, aus der es unmöglich war, noch zu spielen. Ich habe ihre Stimme erneuert, zum Beispiel jede einzelne Seite breiter gemacht und dann neu gebunden. Die Musikerin war so begeistert und meinte, so eine schöne Stimme hätte sie noch nie gehabt, es mache eine solche Freude daraus zu spielen. Das freut mich natürlich.

Viele Leute denken, Bücher zu binden ginge ratzfatz, aber es ist ein altes Handwerk und macht enorm viel Arbeit. Es müssen Lagen gebildet werden, geheftet werden, Buchdecken müssen hergestellt werden, es wird gerundet etc pp.

Hat sich der Beruf im Laufe der letzten Jahre verändert? Wenn ja, wie?

Ute Wegener: Bei mir persönlich kommen zahlreiche Extraveranstaltungen hinzu, wie zum Beispiel Ballett-Galas oder die Aids-Gala. Hierfür fertige ich auch die Stimmen an.

Es gibt heutzutage natürlich neuere Pressen, aber ich arbeite am liebsten mit meiner alten. Die steht bombenfest, die neue ist mir zu instabil.

Außerdem ist meine Schneidemaschine von 1989 mein ganzer Stolz. Sie ist sehr gut gepflegt und wird mal mit mir in Rente gehen. ;-)

Haben Sie generell eine andere Sichtweise auf Bücher, Hefte und andere Printprodukte?

Ja, man guckt schon darauf. Kaufe ich mir zum Beispiel ein Buch für 19,90 € und sehe dann, dass es klebegebunden ist, frage ich mich, warum es soviel kostet? Es gibt viele Bücher mit schönem festen Einband, die aber nicht gebunden, sondern geklebt sind.

Lesen Sie privat gerne und gehen Sie auch gerne privat in die Oper, Konzerte oder Ballettvorstellungen?

Ute Wegener: Ja, ich lese gerne, habe aber kaum Zeit dazu. Ich bin ein ganz großer PEER GYNT-Fan, ich fand die Vorstellung sehr beeindruckend und war wie hypnotisiert. SCHNEEWITTCHEN fand ich auch ganz toll, ich war total begeistert und angetan von der Produktion.

Zuerst habe ich mich nicht so rangetraut, bin dann aber doch mal zu einer Vorstellung gegangen und war überwältigt.

Fotos: Svenja Klein

Abermals Preisträger bei “Kinder zum Olymp!”


Kinder zum Olymp!-Wettbewerb: Erneute Auszeichnung für Kooperationsprojekt von Tanz ist KLASSE!, Lemgo-Grundschule und Staatsballett Berlin

Bereits im zweiten Jahr in Folge zeichnet die Kulturstiftung der Länder das Kooperationsprojekt der Lemgo-Grundschule, des Staatsballetts Berlin und Tanz ist KLASSE! e.V. aus. Das Tanz-Theater-Stück „Scheherazade und ihre Schwestern“ ist Gewinner des Kinder zum Olymp!-Wettbewerbs und erhält den mit 1.000 Euro dotierten Preis für die Altersgruppe Klasse 1–4 in der Sparte Musiktheater. Die leitende Tanzpädagogin ist Brigit Brux vom Staatsballett Berlin.

Die Kooperation zwischen Tanz ist KLASSE! | Staatsballett Berlin und der Lemgo-Grundschule aus Berlin-Kreuzberg besteht bereits seit vier Jahren. Die Zusammenarbeit entstand im Rahmen einer dreijährigen TUSCH-Partnerschaft (Theater und Schule Berlin). Die Auszeichnung innerhalb des Kinder zum Olymp!-Wettbewerbs im letzten Jahr sicherte die finanzielle Grundlage für eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit auch nach Ablauf der TUSCH-Partnerschaft.

Viele der Kinder, von denen etwa 90 Prozent einen Migrationshintergrund haben, sind bereits im vierten Jahr dabei. In dieser langjährigen Partnerschaft haben sie gelernt, sich kreativ zu entfalten; das gleichbleibende Team aus Lehrern und Tanzpädagogen gibt ihnen Sicherheit und Selbstvertrauen, Ideen eigenständig zu entwickeln und selbständig umzusetzen. Der Auftritt beim IV. International Dance Summit Berlin am 17. April 2012 auf der Werkstattbühne der Staatsoper im Schiller Theater war in diesem Schuljahr der Höhepunkt für alle Teilnehmenden.

Auf der Grundlage des Märchens „Ali Baba und die vierzig Räuber“ erarbeiteten Schülerinnen und Schüler im Alter von 7 bis 13 Jahren die Geschichte „Scheherazade und ihre Schwestern“. Unter der Leitung von Tanzpädagogin Birgit Brux von Tanz ist KLASSE! entwickelten die Kinder in der wöchentlich stattfindenden Musiktheater-AGs Handlung, Szenen und Bewegungen. Neben den 60 Kindern der AGs wirkten weitere 40 Schüler aus dem Kinderchor und dem Kinderorchester der Lemgo-Grundschule mit.

Mehr als 700 allgemeinbildende Schulen hatten sich in diesem Jahr mit ihren Projekten um die Auszeichnungen beworben. Insgesamt wurden 29 Schulen ausgezeichnet, die mit innovativen kulturellen Kooperationen die Jurys überzeugen konnten. Am 10. September 2012 werden die Preise im Konzerthaus Berlin an die Schülerinnen und Schüler überreicht.

Detaillierte Informationen, Kurzbeschreibung, Projektidee, und -entwicklung erhalten Sie hier.

In unserem Blog berichteten wir bereits vor zwei Jahren über die Preisverleihung im Konzerthaus: Blogartikel

Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und gratulieren allen Beteiligten recht herzlich!

Fotos: Lemgo-Grundschule

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