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Freunde im Gespräch | Jason Reilly zu Besuch im SBB


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Fotos: Staatsballett Berlin

Am 21. November 2012 begrüßte die Stellvertretende Intendantin Dr. Christiane Theobald Jason Reilly zu einem Künstlergespräch mit den Freunden und Förderern des Staatsballetts Berlin e.V.

Mit Pudelmütze, tiefsitzender Jeans und gut gelaunt begrüßte der Erste Solotänzer des Stuttgarter Balletts die anwesenden Mitglieder des Freundeskreises und zog bereits mit diesem Auftritt alle Sympathien auf seine Seite.

Derzeit befindet sich Jason Reilly in Berlin. Vladimir Malakhov hat ihn eingeladen, gemeinsam mit Shoko Nakamura die Titelpartien in ROMEO UND JULIA zu tanzen. Am 24. November stehen sie erstmals gemeinsam auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin. Jason Reilly begleitet Shoko Nakamura bei ihrem Rollendebüt, für ihn ist es das Debüt beim Staatsballett Berlin. Auch wenn Jason Reilly die Rolle des Romeo bereits über 50 Mal getanzt hat, wird es für ihn doch eine Premiere werden, denn Bühnenbild und Kostüme von Thomas Mika unterscheiden sich sehr von der Produktion in Stuttgart.

Aber zurück zu den Anfängen: Christiane Theobald erfragte bei dem gebürtigen Kanadier, wie er denn überhaupt zum Tanz gekommen sei. Er erzählt, dass sein ungestümes Wesen bereits in jungen Jahren erkannt wurde und seine drei Brüder und fünf Schwestern oder seine Mitschüler unter seinen gelegentlichen Wutanfällen zu leiden hatten. Der Familienrat entschied, er solle sich beim Tanzunterricht austoben. Die professionelle Tanzausbildung absolvierte Jason Reilly bis 1997 an der National Ballet School in Toronto und tanzte bereits während dieser Zeit in Choreographien von James Kudelka und David Nixon. Erwähnenswert fand Christiane Theobald, dass David Nixon Mitte der Achtziger Jahre als Erster Solotänzer hier an der Deutschen Oper Berlin getanzt hatte, bevor es ihn wieder nach Kanada zog.

An der National Ballet School traf Jason Reilly zum ersten Mal auf Reid Anderson, den Intendanten des Stuttgarter Balletts, der ihn nach seinem Abschluss nach Stuttgart engagierte. Seit bereits 15 Jahren ist er nun Mitglied eines der renommiertesten Ballettensembles in Deutschland. Wie es kommt, dass er so lange dort geblieben ist, möchte Christiane Theobald von ihm wissen, denn es ist äußerst bemerkenswert, sich sowohl als Tänzer, aber auch als Compagnie so viele Jahre aneinander zu binden. „Stuttgart ist meine Heimat“, eine Antwort, die keine weiteren Fragen zulässt. Als er 2009 seine Rückkehr nach Kanada ankündigte, um an das National Ballet of Canada zu wechseln, entschied er sich kurz vorher doch noch gegen diesen wagemutigen Schritt. Er ist immer noch dankbar, dass sowohl Karen Kain, Künstlerische Leiterin des National Ballet of Canada, als auch Reid Anderson ihn in seiner Entscheidung unterstützt haben.

In den langen Jahren in Stuttgart hat sich Jason Reilly ein enormes Repertoire erarbeitet. Von klassischen Werken bis hin zu zeitgenössischen Werken, er behauptet sich in jedem Genre. Für ihn steht bei der Erarbeitung von Choreographien im Vordergrund, diese nicht einfach nur abzuspulen, er möchte den Choreographen dienen: er bezeichnet sie als Schöpfer- wie Maler und Künstler, sich selbst als ihr Werkzeug, Farbe oder Leinwand. Nur gemeinschaftlich können sie ein neues Kunstwerk entwickeln. Dabei machen ihm kleine Blessuren nichts aus, ein Kratzer hier, ein blauer Fleck dort; Jason Reilly kann glaubhaft vermitteln, wie sehr er sich bei den Proben verausgabt und das Beste aus seinem Körper herausholt.

Christiane Theobald möchte es genau wissen und fragt, wie ein Körper diesen ständigen Belastungen standhält. Der Körper hält nicht immer stand, Jason Reilly erzählt von seinen zahlreichen Verletzungen: vom relativ harmlosen Umknicken des Fußgelenks bis zu einem gebrochenen Wirbel hat er allerdings schon fast alles erlebt. Gerade deshalb geht er fünf Mal in der Woche ins Fitnessstudio, denn ohne dieses zusätzliche Training hätte er nach einer Verletzung wohl nicht immer den Weg zurück auf die Bühne gefunden. Trotzdem sieht er sich nicht als Leistungssportler, seinem Empfinden nach befinden sich viele Tänzerinnen und Tänzer sogar in körperlich besserer Verfassung als Leistungssportler. Für ihn steht allerdings die Kunst im Vordergrund; Selbstdisziplin ist das A und O im Tänzerberuf, körperlich und geistig. In beiden Fällen liebt er es, viel zu geben.

Hier nimmt Christiane Theobald den Faden auf und fragt nach seinen Lieblingsrollen: welche Art der Darstellung fordere ihn mehr– die technisch anspruchsvollen Pas de deux´, zeitgenössische Stücke oder eine tragende Rolle in einem Handlungsballett? Jason Reilly möchte sich nicht allzu festlegen, man hört dennoch heraus, dass er insbesondere die Handlungsballette liebt, so tanzt er gerne die Rollen des Othello, Romeo, Onegin oder Mono aus „Mono Lisa“ von Itzik Galili. In den Handlungsballetten lassen ihn die Figuren Geschichten erzählen, es geht nicht nur darum, wie viele Pirouetten er drehen kann oder wie hoch er springt– er möchte die Zuschauer mit der Kunst des wortlosen Erzählens fesseln.

Ob er sein Leben ausschließlich dem Tanz widme oder ob er andere besondere Interessen habe, möchte Christiane Theobald wissen. Da wusste Jason Reilly gar nicht wo er beginnen sollte: „Ich liebe Hip Hop, möchte irgendwann mal eine Bar eröffnen, auf Fidji oder in Australien, und seit ich denken kann, begeistere ich mich für American Football.“ Es ist ihm wichtig im Leben immer offen zu sein, es gäbe viel zu entdecken, viele Orte zu bereisen und Menschen kennenzulernen. Man kann daraus schließen, dass er sein Leben in vollen Zügen genießt und keine Gelegenheit, neue Dinge auszuprobieren, verstreichen lässt. Sein Tänzerleben sei auch irgendwann vorbei und Jason Reilly erzählt, dass er sich auch gut vorstellen kann mit unterschiedlichsten Choreographen und Tänzerkollegen seiner Generation Konzepte zu entwickeln, unterschiedliche Tanzformen und -stile zu vermengen. Wie dies konkret aussehen kann, konnte er zwar nicht explizit formulieren, seine einnehmende Art ließ aber niemanden daran zweifeln, dass Jason Reilly zukünftig noch viele andere Abenteuer erleben wird.

Mit den Gedanken zurück im Hier und Jetzt blickt Jason Reilly voller Vorfreude auf die kommenden Vorstellungen ROMEO UND JULIA am 24. und 26. November 2012. In den vergangenen Tagen hat er beim Staatsballett Berlin viele Tänzerinnen und Tänzer wiedergesehen, die er auf Gastspielen auf der ganzen Welt kennengelernt hat. Und neben der Cranko-Choreographie schließt sich der Kreis auf eine ganz andere Weise– er tanzt hier an der Seite von Shoko Nakamura, die kurzzeitig in Stuttgart engagiert war und Ibrahim Önal, der ihm schon damals in Stuttgart als Gegenspieler Tybalt gegenüber stand.

Freunde im Gespräch über “Die Bajadere”.


BildAm 25. Oktober 2012 begrüßten Vladimir Malakhov und Dr. Christiane Theobald zahlreiche Mitglieder der Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin im Foyer de la danse zu einem Künstlergespräch über DIE BAJADERE, die einen Tag später Wiederaufnahme feiern sollte.

Vladimir Malakhov erzählte zunächst über seine erste Begegnung mit der Inszenierung von Natalia Makarova und seine eigene Choreographie, deren erste Schritte er – für alle Anwesenden überraschend – mit der damals 18-jährigen Shoko Nakamura in Wien ausprobiert hatte.

DIE BAJADERE hat bei Vladimir Malakhov seit jeher eine Faszination ausgelöst, der er sich nicht entziehen konnte. Für seine eigene Inszenierung hat er Notenmaterial gesichtet und mit einem Korrepetitor fehlende Musik zusammengetragen, die Tanznotation mit Choreologen analysiert und Videos anderer Inszenierungen betrachtet, bis sich alle Bausteine zu seiner eigenen Fassung zusammenfügten.

Dr. Christiane Theobald erinnert sich daran, dass die Premiere DIE BAJADERE 2002 in der Staatsoper Unter den Linden, noch bevor das Staatsballett Berlin gegründet wurde, am gleichen Tag Premiere feierte, wie die Produktion bei John Neumeier in Hamburg. Ein selten aufgeführtes Ballett, in dem zahlreiche Tänzerinnen den faszinierenden Schattenakt gestalten, an zwei Orten in Deutschland gleichzeitig auf die Bühne zu bringen, war schon äußerst ungewöhnlich und ein großer Zufall.

Vladimir Malakhov und Dr. Christiane Theobald gingen in medias res und so kamen sie auf einen der intensivsten Momente der Produktion zu sprechen: den Schattenakt.

Diesen leiten 32 Tänzerinnen als scheinbar endlose Kette ein, Arabesque an Arabesque wirken die Schatten wie ein Schleier, der sich über die Bühne windet, atemberaubend und faszinierend. Eine Frage, die sich wahrscheinlich zahlreiche Zuschauer stellen, richtete Frau Dr. Theobald an Herrn Malakhov: wie entscheidet er, welche Tänzerin den ersten Schatten tanzt? Das ist eine Frage, so Vladimir Malakhov, über die er sich stets mit der für die Schatten verantwortlichen Ballettmeisterin, Barbara Schroeder, austauscht. Denn die Tänzerin muss verschiedene Fertigkeiten vereinen: Sicherheit in der Balance, ausgeprägtes Taktgefühl, Konstanz in den Bewegungen, sie muss die Kraft aufbringen, insgesamt 42 Arabesques in gleicher Qualität durchzuführen und sollte möglichst groß sein. In diesem Jahr ist die Auswahl auf Nanami Terai gefallen. Für alle Tänzerinnen stellt die Schräge, auf der die Arabesques getanzt werden, eine Herausforderung dar. Frau Dr. Theobald erklärt, dass diese Schräge ausschließlich wenige Minuten vor dem Auftritt während der Pause aufgebaut wird – für das Publikum unsichtbar –und nur in diesem Zeitfenster jede Tänzerin die Möglichkeit hat, einige Bewegungen darauf zu absolvieren.

Bei der Ausführung der Bewegung achtet Vladimir Malakhov insbesondere auf die Gesamtheit der Gruppe und nicht auf einzelne Tänzerinnen, denn führt eine die Arme in anderem Tempo nach oben oder hält das Bein in der Arabesque niedriger als die anderen, zerstört dieser Fehler das Gesamtbild. Um zu vermeiden, dass die Tänzerinnen bei den Proben im Ballettsaal in den Spiegel sehen, um ihre Position zu überprüfen, zieht er regelmäßig den Vorhang zu, denn auf der Bühne gibt es schließlich auch keinen Spiegel.

Der Schleier zieht sich als Kernelement durch das gesamte Stück, so Frau Dr. Theobald. Die Tempeldienerin Nikia erhält diesen als Geschenk ihres Geliebten Solor, verliert ihn jedoch bei ihrer Flucht zurück in den Tempel, um dem aufgebrachten Großbrahmanen zu entgehen, der sie heimlich beobachtet hatte. Jedoch findet dieser – rasend vor Eifersucht – den Schleier und verwendet ihn, um den Radscha Dugmanta vor der Verlobungsfeier seiner Tochter Hamsatti und Solor auf die heimliche Liebe von Solor und Nikia hinzuweisen. Dieser Beginn der Intrige, setzt sich bis in das Schlussbild fort.

Selbstverständlich wurde während des Künstlergesprächs auch über die Besetzung der Wiederaufnahme am 26. Oktober gesprochen, und Frau Dr. Theobald bat Herrn Malakhov, die Anwesenden über seine Pläne zu informieren. Er habe sich explizit für drei Tänzerinnen und Tänzer entschieden, die die Partien jeweils zum ersten Mal tanzen sollen, ein besonderes Wagnis, denn jeder muss sich auf sich, seine Fähigkeiten und Sicherheit selbst verlassen. Jedoch setzt er großes Vertrauen in Iana Salenko als Nikia, Marian Walter als Solor und Sarah Mestrovic als Hamsatti. Alle drei standen unter einem enormen Druck, aber Herr Malakhov lobt sie für ihre gute und saubere Technik, außerdem arbeiteten sie sehr an sich, versuchten sich in jeder Probenminute in die Charaktere hineinzuversetzen. Vladimir Malakhov selbst stand bis kurz vor diesem Gespräch mit einer weiteren Besetzung im Ballettsaal, schließlich ist es seine Choreographie, die er perfekt auf der Bühne umgesetzt sehen möchte.

Am Sonntag, eigentlich ein freier Tag, wird die russische Startänzerin Svetlana Zakharova für ihre erste Probe mit Vladimir im Ballettsaal stehen. In den kommenden Tagen muss sie die Besonderheiten der Choreographie erlernen, wobei ihr Vorteil ist, DIE BAJADERE bereits auf zahlreichen großen Bühnen getanzt zu haben. Auf diese Weise kann sie die für sie fehlende Bühnenprobe kompensieren und steht dann am 1. November gemeinsam mit Dmitry Semionov als Solor und Sarah Mestrovic als Hamsatti auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin.

Zum Abschluss des Gespräches machte Vladimir Malakhov außerdem auf weitere illustre Gäste aufmerksam, die das Staatsballett Berlin im November erwartet: am 17. und 25. November tanzt Ekaterina Krysanova die Titelpartie in LA PERI und am 24. und 26. November Jason Reilly gemeinsam mit Shoko Nakamura in ROMEO UND JULIA.

Herr Malakhov und Frau Dr. Theobald bedanken sich recht herzlich bei allen anwesenden Mitgliedern der Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin e.V. und freuen sich auf ein Wiedersehen bei der ein oder anderen Vorstellung.

Freunde im Training


Am 4. September fand der erste Trainingsbesuch der Spielzeit für einige Mitglieder der Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin statt.

Sie beobachteten das Training im Tatjana-Gsovsky-Studio. Intendant und Erster Solotänzer Vladimir Malakhov selbst übernahm die Leitung. Bei den morgendlichen Übungen wärmen sich die Tänzerinnen und Tänzer für die folgenden Proben auf. Sie führen hier die grundlegenden klassischen Elemente und Bewegungsabfolgen durch.

Die Freundeskreismitglieder nutzen die Gelegenheit, um die Neuzugänge in der Compagnie kennenzulernen und ihre LieblingstänzerInnen zu beobachten.

Der nächste Termin für “Freunde im Training” findet am 13. September statt und bietet auch Ihnen die Gelegenheit, das Ensemble bei seiner Arbeit zu beobachten, wenn Sie sich schnell genug anmelden.

Übrigens, wer mit einer Mitgliedschaft liebäugelt, zahlt in den letzten drei Monaten des Kalenderjahres nicht den vollen Jahresbeitrag sondern
nur 10 % des Mitgliederbeitrages je Monat!

Weitere Informationen zu den Freunden und Förderern des Staatsballetts Berlin erhalten Sie unter 030 34 384-166 oder unter freundeskreis@statsballett-berlin.de

Fotos: Svenja Klein

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