Was macht eigentlich…? – Choreologin: Marzena Sobanska
Marzena Sobanska ist Choreologin und sorgt dafür, dass bei den Proben keine Bewegung verloren geht. Ihr obliegt die Niederschrift von Choreographien in einer eigens für Tanz und Bewegung entwickelten Schrift. Diese Spezialschrift heißt Benesh Movement Notation nach ihren Erfindern, den britischen Eheleuten Rudolf und Joan Benesh.
1994 absolvierten Sie am Londoner Benesh Institute das Studium für Benesh Movement Notation. Welche Zugangsvoraussetzungen muss man erfüllen, um einen Studienplatz zu bekommen? War es hilfreich, dass Sie Tänzerin und Trainingsmeisterin sind?
Marzena Sobanska: Vor allem eine Ballettausbildung. Es ist unvorstellbar, dass jemand, der keine Ballettausbildung hat, die Benesh Movement Notation erlernen kann und professionellen Tänzern Unterricht erteilt. Besser ist es noch, wenn man ein paar Jahre als Profitänzer hinter sich hat. Dann kennt man auch die Arbeit im Ballettsaal von innen, die Abläufe, und wie alles funktioniert.
Wie lange dauert das Studium und welche Inhalte werden vermittelt?
Das Studium dauert ca. ein Jahr und wird mittlerweile auch als Fernstudium angeboten.
Das Hauptaugenmerk liegt auf der Erlernung der Benesh Movement Notation, um jeden noch so kleinen Schritt zu Papier bringen zu können. Wichtig ist auch der Umgang mit der Musik. Für mich war das kein Problem, weil ich Klavierspielen gelernt habe, aber Kollegen, die kein Instrument spielen, mussten sich mit den Grundbegriffen der Musik befassen: Was sind Noten?, was ist ein Takt? etc. Man muss auch ein bisschen Partitur lesen lernen.
Wie sieht die Abschlussprüfung aus?
Das Studium wird mit einem Diplom abgeschlossen, das heißt, ein 25-minütiges Ballett oder einen Akt notieren.
Im klassischen Tanz gibt es ja für jede Position eine Bezeichnung. Wie ist da der Unterschied zu zeitgenössischen Choreographien?
Es gibt ganz große Unterschiede. Klassisches Ballett ist ganz einfach zu notieren, man kann auf den fünf Linien bereits die Positionen erkennen, im Unterschied zum modernen Tanz haben sie beispielsweise nur zwei Kontaktpunkte mit dem Boden, also die zwei Füße sind auf dem Boden, manchmal geht man auch auf ein Knie, dann ist das der dritte Kontaktpunkt. Bei zeitgenössischen Choreographien befindet sich häufig der gesamte Körper auf dem Boden: die Hände, die Ellenbogen, die Hüfte … diese 12 Punkte müssen notiert und auch gelesen werden. Das ist ziemlich kompliziert und zeitaufwändig.
Das deckt die Benesh Movement Notation ab?
Ja, sogar auch ein Salto in der Luft oder Rollen auf dem Boden. Es wird auch der Umgang mit den Requisiten gelehrt.
Wie ein Requisit gehalten wird, ist sehr wichtig. Die Speere, die die Walküren im RING UM DEN RING in den Händen halten, haben beispielsweise feste Positionen: vertikal, paralell ob sie mit beiden Händen gehalten werden oder nur einer, wo die Spitze hinzeigt.
Wie sieht es aus mit Gestik aus? Lächeln, traurig schauen etc.?
Diese können nur dazu geschrieben werden. Offene Augen oder einen offenen Mund kann man einzeichnen.
Alles andere deckt die Benesh-Notation nicht ab.
Wie sieht für Sie ein gewöhnlicher Arbeitstag beim Staatsballett aus?
Mein Tag fängt hier um 11 Uhr an. Bis 12 Uhr bereite ich mich vor, schaue Videos oder lese das Material, das ich unterrichten soll.
Entweder sind es Einstudierungsproben, auf die ich sehr gut vorbereitet sein muss, da ich jeden Schritt jedes Tänzers kennen muss oder ganz normale laufende Proben, für die ich mein Wissen nur auffrischen muss. Die Proben dauern bis 14 Uhr, danach 45min Pause, und anschließend geht es weiter bis 18 Uhr.
Inwiefern grenzt sich Ihre Arbeit von der eines Ballettmeisters ab? Zum Teil sind es ja Tätigkeiten die ineinander fließen.
Ja, denn der Ballettmeister muss auch manchmal Choreographien einstudieren obwohl er meine Schrift nicht benutzt, er hat seine eigenen Notizen oder benutzt Aufzeichnungen. Im Grunde genommen liegt der Unterschied darin, dass ich notieren kann. Beispielsweise kann ich ein Stück einstudieren, im Beisein des Ballettmeisters, und muss es nicht bis zum Schluss mit den Tänzern probieren, der Ballettmeister kann die Korrekturen übernehmen.
Sie schauen sich die Vorstellungen regelmäßig an, um zu korrigieren und machen sich ihre Notizen.
Ja, aber dann meistens nicht in Benesh (lacht).
Ist das viel, was im Nachhinein noch korrigiert werden muss?
Eigentlich nicht. Bei jeder Vorstellung können immer unvorhergesehene Sachen oder kleine Patzer passieren. Bei der ersten Vorstellung von RING UM DEN RING hatte ich beispielsweise nur eine halbe DIN-A4-Seite. Das ist schon ziemlich gut.
Sie sind nun seit fast 20 Jahren in dem Beruf tätig. Hat sich Ihre Arbeit im Laufe der letzten Jahre bezüglich neuer technischer Möglichkeiten verändert?
Videos hatte man auch vor 20 Jahren benutzt. Ich benutze die Aufzeichnungen gerne, um mein visuelles Gedächtnis ganz schnell aufzufrischen, bevor ich anfange etwas einzustudieren. Viele sind der Meinung, dass man Aufgrund der Videos und DVDs die Benesh Movement Notation nicht benötigt. Tatsache ist aber, dass eine notierte Choreographie auch musikalisch stimmt. Denn während der Vorstellung kann das Tempo beispielsweise variieren. Entweder sie haben eine musikalische Tänzerin, die das Tempo hält, oder sie geht über die Musik und verfremdet somit die Choreographie.
Mit welchen Choreographen haben Sie besonders gerne gearbeitet und vor allem: an welchen Produktionen?
Mit kleinen Ausnahmen (lacht) habe ich mit allen Choreographen gerne zusammen gearbeitet. Wichtig ist mir eine produktive und konstruktive Zusammenarbeit und eine nette Atmosphäre. Sehr gern habe ich mit Béjart für den RING gearbeitet, da ich bei der Uraufführung als Tänzerin in die Produktion involviert war, das war dann für mich dann als Choreologin und Ballettmeisterin sehr angenehm. Eine sehr schöne Zeit hatte ich auch mit dem damaligen Ballettdirektor Ray Barra, dessen abendfüllendes Ballett „Die Schneekönigin“ ich notieren durfte, mein erstes große Ballett. Er war wie ein Mentor und hat mich sehr unterstützt.
Was macht eigentlich…? – BUCHBINDERIN: Ute Wegener
Heute stellen wir euch die Arbeit von Ute Wegener vor. Sie ist Buchbinderin an der Deutschen Oper Berlin, in der auch das Staatsballett Berlin beheimatet ist, und somit auch für die Noten unserer Produktionen zuständig. Wir haben sie über ihren interessanten und immer seltener werdenden Beruf ausgefragt.
Wie kamen Sie auf die Idee, Buchbinderin zu werden?
Ute Wegener: Früher war es so, dass man nach dem Schulabschluss zu einer Beratung beim Arbeitsamt ging, hier wurden Tests gemacht und es wurde geschaut, was einem liegen könnte. Mir wurde der Beruf des Buchbinders vorgeschlagen. Ich hatte noch nie davon gehört, fand aber, dass es interessant klingt und habe kurz darauf meine Ausbildung begonnen.
Ich habe eine dreijährige Ausbildung beim Berufsamt Schöneberg gemacht, von 1982 bis 1985. Im Juli ‘85 hatte ich ausgelernt und habe meine Gesellenprüfung bestanden.
Seit wann arbeiten Sie in dem Beruf und seit wann sind Sie an der Deutschen Oper Berlin beschäftigt?
Ute Wegener: Ich habe sofort im September 1985 an der Deutschen Oper Berlin begonnen. Nach Absolvierung meiner Lehre erfuhr ich von einer Bekannten, dass an der Deutschen Oper eine Stelle frei ist, ich habe mich beworben und wurde sofort angenommen.
Was kann man sich unter Ihrem Beruf vorstellen? Was sind Ihre genauen Aufgaben?
Ute Wegener: Ich bin besonders auf alles, was mit Noten zu tun hat, spezialisiert. Bei Orchesternoten gibt es eine ganz bestimmte Technik, die sich zum Beispiel von einem Regieauszug unterscheidet. Das Buch muss ganz glatt und gerade auf dem Notenständer liegen können, ohne sich von alleine umzublättern.
Ich binde für alle Produktionen, die an der Deutschen Oper stattfinden, die Bücher. Neben den Orchesterstimmen und Regieauszügen gehören dazu Klavierauszüge, Gesangsstimmen für den Kinderchor, das Inspizientenbuch oder auch die Noten für Ballettproduktionen.
Es wird Wert darauf gelegt (zum Beispiel vom Orchester), dass es sich um gutes Handwerk handelt. Der Unterschied zur Industriebuchbinderei besteht darin, dass die Bücher nicht schnell zusammengeleimt werden, sondern in Handarbeit mit Nadel und Faden hergestellt werden. So sind die Produkte viel stabiler und fallen nicht auseinander. Das ist bei Notenmaterial sehr wichtig, weil es sehr stark beansprucht wird.
Das A und O bei meiner Arbeit ist Konzentration. Die Seiten dürfen natürlich nicht in die falsche Reihenfolge geraten, weshalb jedes Exemplar mehrmals kontrolliert werden muss.
Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf als Buchbinderin?
Ute Wegener: Alles. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man sieht, was man gemacht hat. Ein nettes Erlebnis war es, als eine Orchestermusikerin mit einer kaputten Stimme zu mir kam, aus der es unmöglich war, noch zu spielen. Ich habe ihre Stimme erneuert, zum Beispiel jede einzelne Seite breiter gemacht und dann neu gebunden. Die Musikerin war so begeistert und meinte, so eine schöne Stimme hätte sie noch nie gehabt, es mache eine solche Freude daraus zu spielen. Das freut mich natürlich.
Viele Leute denken, Bücher zu binden ginge ratzfatz, aber es ist ein altes Handwerk und macht enorm viel Arbeit. Es müssen Lagen gebildet werden, geheftet werden, Buchdecken müssen hergestellt werden, es wird gerundet etc pp.
Hat sich der Beruf im Laufe der letzten Jahre verändert? Wenn ja, wie?
Ute Wegener: Bei mir persönlich kommen zahlreiche Extraveranstaltungen hinzu, wie zum Beispiel Ballett-Galas oder die Aids-Gala. Hierfür fertige ich auch die Stimmen an.
Es gibt heutzutage natürlich neuere Pressen, aber ich arbeite am liebsten mit meiner alten. Die steht bombenfest, die neue ist mir zu instabil.
Außerdem ist meine Schneidemaschine von 1989 mein ganzer Stolz. Sie ist sehr gut gepflegt und wird mal mit mir in Rente gehen.
Haben Sie generell eine andere Sichtweise auf Bücher, Hefte und andere Printprodukte?
Ja, man guckt schon darauf. Kaufe ich mir zum Beispiel ein Buch für 19,90 € und sehe dann, dass es klebegebunden ist, frage ich mich, warum es soviel kostet? Es gibt viele Bücher mit schönem festen Einband, die aber nicht gebunden, sondern geklebt sind.
Lesen Sie privat gerne und gehen Sie auch gerne privat in die Oper, Konzerte oder Ballettvorstellungen?
Ute Wegener: Ja, ich lese gerne, habe aber kaum Zeit dazu. Ich bin ein ganz großer PEER GYNT-Fan, ich fand die Vorstellung sehr beeindruckend und war wie hypnotisiert. SCHNEEWITTCHEN fand ich auch ganz toll, ich war total begeistert und angetan von der Produktion.
Zuerst habe ich mich nicht so rangetraut, bin dann aber doch mal zu einer Vorstellung gegangen und war überwältigt.
Fotos: Svenja Klein
Was macht eigentlich…? Freiwilliges Soziales Jahr Kultur: Mia
Heute stellt sich in der Rubrik „Was macht eigentlich…?“ Mia vor. Sie macht ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJK) bei Tanz ist KLASSE!, der Education-Abteilung des Staatsballetts Berlin. Außerdem hilft sie bei den anfallenden Aufgaben in Zusammenhang mit dem Förderverein des Staatsballetts Berlin.
MIA
“Hallo, ich bin Mia Mesenholl und absolviere seit September 2011 mein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur (FSJK) bei Tanz ist KLASSE! e.V., dem Education-Programm des Staatsballetts Berlin. Ich bin 20 Jahre alt und eine waschechte Berlinerin.
Da man leider nie weiß, ob man einen Studienplatz bekommt, wollte ich das FSJK zunächst nur zur Sicherheit haben. Als ich jedoch auf der Internetseite des LKJ Berlin e.V. (Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Berlin e.V. – Organisatoren des FSJK) die Einsatzstelle Tanz ist KLASSE! e.V. gefunden habe, bei der ich meine zwei Hauptinteressen, den Tanz und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verbinden kann, wurde das FSJK immer interessanter. Glücklicherweise wurde ich zu einem Bewerbungsgespräch in die Räumlichkeiten des Staatsballetts Berlin in der Deutschen Oper eingeladen und konnte mich gegen sieben Mitbewerber/innen durchsetzen.
Zwei Tage vor meinem Start erhielt ich jedoch die Rückmeldung einer Universität, dass ich bereits im Oktober 2011 mit dem Bachelorstudium “Berufliche Bildung für Sozialpädagogik” hätte anfangen können. Nach langem Hin und Her entschloss ich mich dafür, das FSJK zu machen, denn schließlich bin ich noch jung und kann erste Erfahrungen in der Arbeitswelt gut vertragen.
Seitdem bekomme ich einen guten Einblick in die Abläufe hier beim Staatsballett Berlin und unterstütze Alexandra van Veldhoven, die Koordinatorin von Tanz ist KLASSE!. Dort habe ich jeden Tag die Möglichkeit verschiedenste Aufgaben auszuführen:
Zusammen mit unseren Tanzpädagoginnen betreue ich Workshops für Schulklassen, Kitagruppen und alle anderen Tanzbegeisterten.
Ich bin für die interne und externe Terminabsprache zuständig, damit die Workshops in den Räumlichkeiten der Deutschen Oper glatt über die Bühne gehen. Zusätzlich kümmere ich mich um die Familienworkshops, die immer zwei Stunden vor einer Familienvorstellung stattfinden. Hierbei sorge ich dafür, dass alle Teilnehmer den richtigen Veranstaltungsort finden und eine gute Vorbereitung auf die folgende Vorstellung erhalten.
Jeden Donnerstag bin ich im Rahmen der bestehenden TUSCH-Kooperation (Theater und Schule – Partnerschaften in Berlin) mit der Tanzpädagogin Birgit Brux in der Grundschule am Rüdesheimer Platz. Dort habe ich die Möglichkeit selber aktiv mit den Kindern zu arbeiten und sie zusammen mit Frau Brux und den betreuenden Lehrern auf ihren Auftritt in der TUSCH-Festwoche vorzubereiten. Da ich später auch einmal Lehrerin werden möchte, bekomme ich hier einen sehr guten Einblick in mein späteres Arbeitsfeld und sehe ich mich in meinem Berufswunsch bestätigt.
Zusätzlich bearbeite ich die täglich anfallenden Büroarbeiten wie E-Mails beantworten, telefonieren oder Aktionen für den Freundeskreis des Staatsballetts Berlin vorzubereiten.
Bei meiner Arbeit habe ich die einmalige Gelegenheit, hinter die Kulissen des Staatsballetts Berlin zu schauen und nebenbei meine Kompetenzen in der Kommunikation, dem selbstsicheren Auftreten und der Organisation zu schulen.
Im Allgemeinen macht mir die Arbeit Spaß und ich fühle mich sehr willkommen und gut aufgehoben in dem sehr netten und jungen Team. Ich kann ein FSJK hier im Staatsballett Berlin weiterempfehlen, denn es bietet die Möglichkeit viele neue Erfahrungen zu sammeln und wenn man dann noch ballettinteressiert ist, will man hier gar nicht mehr weg.”





















