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Rollendebüt als JULIA


Am 8. Mai feiert Elisa Carrillo Cabrera ihr Rollendebüt als Julia in John Crankos Version von ROMEO UND JULIA.

Zusammen mit ihrem Ehemann Mikhail Kaniskin wird sie in den kommenden vier Vorstellungen das Liebespaar  tanzen. Mikhail hat die Rolle des Romeo bereits getanzt, doch auch für ihn ist es die Berlinpremiere.

Die Erfolgsproduktion können Sie nach wie vor in der Deutschen Oper Berlin erleben.

Lassen Sie sich von der tragischen Liebesgeschichte des jungen Paares mitreißen. Im Zusammenspiel mit Serge Prokofieffs berühmter Ballettkomposition ist in Crankos zeitlosem Meisterwerk die Vorahnung künftigen Leids genauso enthalten wie die Schönheit einer reinen und unschuldigen Liebe.

Die Proben laufen auf Hochtouren. Anbei findet ihr ein paar Eindrücke von den Proben des Ensembles.

Die Besetzung am 08. Mai 2012

Julia: Elisa Carrillo Cabrera
Romeo: Mikhail Kaniskin
Mercutio: Dinu Tamazlacaru
Tybalt: Leonard Jakovina
Benvolio: Alexander Shpak
Graf Paris: Dmitry Semionov
Lady Capulet: Beatrice Knop

Termine

08. | 18. Mai 2012
15. | 17. Juni 2012


Fotos: Svenja Klein

 

 

  

Was macht eigentlich…? – Einstudierung: Georgette Tsinguirides


Am 9. Februar feiern wir die Premiere von John Crankos ROMEO UND JULIA in der Deutschen Oper Berlin. Georgette Tsinguirides studierte das Stück zusammen mit Birgit Deharde in Berlin ein.

Wir haben Georgette Tsinguirides getroffen und sie hat uns viel über John Cranko und die Einstudierung von ROMEO UND JULIA berichtet. Georgette Tsinguirides hat John Crankos Version bereits mit zahlreichen Ensembles einstudiert.

Bevor ihr jedoch die Notizen lest, schaut euch doch am besten erst die Biographie von Georgette Tsinguirides auf unserer Homepage an…

Georgette Tsinguirides:

„Mittlerweile lehre ich einen Großteil der Choreographie auswendig. Vor allem die Pas de deux. Nur bei den Fechtszenen des Corps de ballet brauche ich länger und muss in meine Aufzeichnungen schauen.

John Cranko war eine große Persönlichkeit. Er war sehr gescheit, intelligent, ein großer Intellektueller und musikalisch. Er stand nie ‚auf einem Podest‘, sondern war hauptsächlich ‚einfach‘ und geradlinig, er kam auf den Punkt. Er hatte keine großen Allüren. Am Besten ist er mit den Worten ‚pure‘ und ‚real‘ zu beschreiben.

Cranko stellte alle seine Choreographien immer auf den Menschen, auf die Persönlichkeit, nicht auf den Tänzer. Er befasste sich mit den TänzerInnen und ging in die Tiefe. Das machte ihn zu einem außergewöhnlichen Menschen. Bei John kam die Einfachheit trotz Komplexität durch. Im Ballett ist sowieso die Einfachheit das effektvollste. Für ihn war die Technik bei TänzerInnen Voraussetzung, aber primär sind die Aussagen eines Tänzers über die Rolle, sozusagen der ‚Text‘.

John hatte eine Gabe, in die Zukunft zu blicken. Er hätte jeden anderen [außer mir] nach London schicken können [, um dort am Benesh Institute Choreologie zu studieren]. Aber er hatte einen sechsten Sinn dafür, zu erkennen, was zu den Menschen passt. So bemühte er sich auch darum, Aufgaben für die Tänzerinnen und Tänzer zu finden, wenn deren Karriere vorbei war. Das geht auch auf seine Menschlichkeit zurück.

In Stuttgart gibt es eine ganz besondere Atmosphäre. In dem ‚kleinen Dorf‘ Stuttgart herrscht ein starker Zusammenhalt zwischen den Tänzern und eine große, gegenseitige Hilfe. Es ist sehr behütet dort. In der Compagnie und für John war jeder gleich wichtig, es gab keine Hierarchie. Die Statisten sind genauso wichtig wie Romeo selbst. Jeder wurde gleichermaßen respektiert. Viele Menschen nehmen sich zu wichtig.

In einem Ballett sind meist nicht die Titelfiguren die spannendsten. Auch in ROMEO UND JULIA nicht. Interessant ist die Männerkonstellation: Romeo, Mercutio, Tybalt und Benvolio.

Mercutio hält die Fäden in der Hand und weiß sehr viel. Mercutio ist für mich die interessanteste Figur und sehr, sehr wichtig.

Die Einstudierung von ROMEO UND JULIA ist in jeder Compagnie anders. Das muss sie auch sein, sie darf nie gleich sein. Die Atmosphäre und Art von John Cranko muss stimmen, aber für jeden Tänzer muss die Rolle neu bearbeitet werden, es darf keine Kopie entstehen. Auch wenn es natürlich eine Beeinflussung von Solisten gibt, die die Rolle kreiert haben. Ihm waren außerdem immer Details und kleine Gesten sehr wichtig.

John Cranko konnte Noten lesen und teilte die Musik ein. Er hatte sie bereits vorher genau studiert und arbeitete gerne mit Pianisten zusammen. In der Probe hat er dann viel geschehen lassen. Die Pas de deux entstanden zum Beispiel vor allem durch die Zusammenarbeit mit den Tänzern.

Wunder passieren nicht auf der Bühne, die passieren im Ballettsaal. Wenn Tänzer das nicht verstehen, dann hat man es nicht leicht. Auch die kleinen Dinge müssen wichtig genommen werden, nicht nur die großen Sachen. Heutzutage muss man mit den Tänzerinnen und Tänzern anders umgehen und ihnen alles auf einem anderen Weg beibringen. Ich werde allerdings ungeduldig, wenn keine Aufmerksamkeit vorhanden ist. In dem Moment der Einstudierung versuche ich viel von mir zu geben und erwarte im Gegenzug, dass etwas zurückkommt.

Heute gibt es vor allem auch durch die Technik viel mehr Ablenkung als früher. Zum einen sind Videos eine Hilfe, aber nicht nur. Man kopiert dadurch vielleicht zu viel und entwickelt sich nicht selber. Außerdem sieht man vielleicht eine Aufnahme, auf der der Tänzer gerade eine kleine Verletzung hatte, weshalb er ausnahmsweise einen Schritt anders macht, als eigentlich geplant. Das erfährt man durch das Video aber nicht.“

„Freunde im Gespräch“ mit Reid Anderson und Georgette Tsinguirides


Am 31. Januar fanden sich die Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin für ein Gespräch mit Reid Anderson, Ballettdirektor des Stuttgart Balletts, und Georgette Tsinguirides, Ballettmeisterin und Choreologin, im Foyer de la danse des Staatsballetts Berlin ein.

Dr. Christiane Theobald, stellvertretende Intendantin und Ballettdirektorin des Staatsballetts, befragte die langjährigen Weggefährten des Choreographen John Cranko zu dessen Choreographie ROMEO UND JULIA, die am 9. Februar 2012 Premiere beim Staatsballett Berlin feiert.

Georgette Tsinguirides war bereits in Stuttgart als Tänzerin engagiert, als John Cranko dort die Position des Ballettdirektors einnahm. Seine über wenige Jahre hinweg kreierten Ballette haben weltweit Einzug in die Spielpläne der bekanntesten Ballettensembles der Welt gefunden, das Staatsballett tanzt neben ROMEO UND JULIA zum Beispiel weiterhin ONEGIN.

Die Mitglieder erfuhren, dass Reid Anderson die Rolle des ‘Onegin’ nicht nur in Stuttgart, sondern in aller Welt getanzt hat und das bevorzugte Ballett von Georgette Tsinguirides Crankos BROUILLARD ist.

Auf Hinweis John Crankos nahm Georgette Tsinguirides 1965 am Benesh Institute ein Studium der Choreologie auf, das sie bereits ein Jahr später abschloss. Im Verlauf der Jahre hat sie die gesamten Cranko-Werke notiert und bei zahlreichen Compagnien einstudiert. In ihrer langen Karriere als Tänzerin, Ballettmeisterin und Choreologin wurden sie mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen geehrt: u. a. würdigte das Benesh Institute sie 1973 mit der Auszeichnung für besondere Verdienste in der 21-jährigen Ausübung der Benesh Movement Notation, Bundespräsident Richard von Weizsäcker ehrte sie mit dem Bundesverdienstkreuz und anlässlich ihres 60-jährigen Dienstjubiläums verlieh ihr das Stuttgarter Staatstheater die Ehrenmitgliedschaft. Im Jahre 2010 erhielt Georgette Tsinguirides außerdem den Deutschen Tanzpreis.

Den Hinweis von Christiane Theobald, dass einige Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts Berlin eine enge Beziehung zu Stuttgart haben, konnte Reid Anderson nur bestätigen. So waren bspw. Elisa Carrillo Cabrera und Mikhail Kaniskin, Sebnem Gülseker und Ibrahim Önal in Stuttgart engagiert, andere Berliner Ensemblemitglieder sind Absolventen der John-Cranko-Schule, die an das Stuttgart Ballett angegliederte Ballettschule. Im vergangenen Dezember feierte die Ausbildungsstätte ihr 40-jähriges Bestehen und wird in den kommenden Jahren neue Räume beziehen.

Am 2. März, 6. und 9. April wird ein Gasttänzer aus Stuttgart Polina Semionova (Julia) in der Rolle des Romeo begleiten: es tanzt Friedemann Vogel.

Übrigens: am 5. April findet „Freunde im Gespräch“ mit Dr. Christiane Theobald und Friedemann Vogel statt.

Wenn Sie dabei sein möchten, treten Sie ein in den Kreis der Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin e.V.

Fotos: Alexandra van Veldhoven

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