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„NOCH AM VORMITTAG HABEN WIR VOR ERICH HONECKER IM PALAST DER REPUBLIK GETANZT … “


Birgit Brux und Barbara Schroeder waren vor 25 Jahren Solotänzerinnen in der Ballett-Compagnie der Deutschen Staatsoper Berlin, eine der drei Vorgängerinstitution des heutigen Staatsballetts Berlin. Anlässlich des 03. Oktobers haben wir zwei Fotos aus der Wendespielzeit 1989/1990 aufgestöbert, die sie beide während der Proben zu John Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“ zeigen. Nun Charaktersolistin und Tanzpädagogin am Staatsballett, erinnern sie sich an die damalige Zeit.

WENDEZEIT

Barbara Schroeder mit Kollegen bei Proben zu John Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“

„Noch am Vormittag des 09. Novembers haben wir vor Erich Honecker im Palast der Republik getanzt…“, erzählt uns Brigit Brux. „Man hat es brodeln gehört“, denn draußen auf der anderen Seite der goldenen Spiegelfenster näherte sich der Demonstrationszug. Doch wie so oft stellte die Kultur auch in der DDR eine Welt für sich da. Barbara Schroeder erinnert sich: „Wir Tänzer haben eigentlich alle wie in einer Glasglocke gelebt. An der Deutschen Staatsoper Berlin waren wir ganz oben angekommen. Mehr wollte man nicht, mehr hat man nicht erwartet.“ So auch Brux: „Man hatte als Tänzer viele Freiheiten. Wir hatten ein gutes Leben und Privilegien.“ Und im Gegensatz zu den meisten anderen DDR-Bürgern konnten Tänzer durch Gastspielreisen auch das Land verlassen. „Wenn man wirklich unzufrieden gewesen wäre, hätte man bei all den Tourneen einfach abhauen können.“, sagt Brux. Dennoch haben nur wenige diese Chance genutzt. Die eigene Familie und der enge Zusammenhalt in der Compagnie hielten sie zurück. „Wir waren sehr heimatständig. Man hatte an der Staatsoper Charakter und festen Boden gewonnen.“

WENDEZEIT

Birgit Brux (li) bei Proben zu John Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“

Und nach dem Mauerfall? „Es kam vor, dass plötzlich einfach Kollegen gefehlt haben, weil sie eben in den Westen gegangen sind“, berichtet Barbara Schroeder. Dafür aber kam dann die Welt nach Berlin: „Sowohl politisch als auch tänzerisch hat mir die Wende eine neue Sichtweise eröffnet. Vom Supermarkt bis zum Theater“, so Schroeder weiter. „Die große Welt strömte zu uns. Davor haben wir nur russische, klassische Choreographien getanzt, aber mit der Öffnung zum Westen kamen dann auch jene von Forsythe und Cranko … und Béjart, Roland Petit, Pierre Lacotte – sie trafen sogar persönlich ein. Das kann man einfach gar nicht toppen. Selbst heute nicht.“
Auch die Ballett-Compagnie selbst wurde bunter: „Wir waren bislang in unserem Ensemble immer unter uns gewesen, sind zusammen von der Ballettschule an die Oper gegangen. Auf einmal aber hat man Englisch in den Sälen gehört, und all die Tänzer aus dem Ausland kamen in die Compagnie“. Mit einem Schmunzeln fügt sie noch hinzu: „Wir haben dann allerdings weiter nur Deutsch miteinander gesprochen, bis es schließlich auch alle konnten!“

Wurde also alles besser? „Natürlich war es aufregend, aber nach der ersten Euphorie hat man sich schnell auch wieder zu Gewohntem eingefunden. Für andere war es ein großer Umbruch, aber für mich hat der Mauerfall nicht viel am Tanz oder an der Karriere geändert“, erzählt Brux. „Wir haben es einfach hingenommen. Ich war sowohl davor als auch danach glücklich auf der Bühne.“ Ein Tänzerleben bleibt eben etwas besonderes.

ROLLENDEBÜT


Dinu Tamazlacaru, Erster Solotänzer des Staatsballetts Berlin, wird am 17. April in ROMEO UND JULIA als Romeo debütieren. An seiner Seite wird Iana Salenko nach der Choreographie von John Cranko tanzen. Die nächsten Vorstellungen sind am 24. und 29. April 2014.

Mit ROMEO UND JULIA schuf John Cranko bereits 1962 einen Ballettklassiker: eine der schönsten und meistgespielten Adaptionen der Shakespeare-Tragödie, die für den Tanz geschaffen wurde. Cranko zeichnet in seiner Choreographie, die er 1962 für das Stuttgarter Ballett entwickelt hat, die unterschiedlichen Charaktere lebendig und authentisch. Die Fülle von Rollen stellen tänzerisch als auch schauspielerisch extrem hohe Anforderungen an die Tänzer. Neben der Technik muss auch das dramatische Können überzeugen, insbesondere in der sensiblen Darstellung der Protagonisten.

ROMEO, einziger Sohn der Montagues, versucht zunächst, die Streitigkeiten der Familienclans zu schlichten, wird aber ungewollt zum Gewalttäter. Mit seiner wirklichkeitsfernen, fantasievollen, melancholisch bis depressiven Veranlagung gilt er als Prototyp des zweifelnden, unentschlossenen Menschen. Er ist diesbezüglich mit Hamlet verwandt.
JULIA, fast vierzehnjährige Tochter der Capulets, gehört zu
Shakespeares Rebellinnen: sie lehnt sich gegen die von ihren Eltern gewünschte Ehe mit Paris auf, und ist innerhalb der Beziehung zu Romeo der stärkere Pol. Julia initiiert die Hochzeit, riskiert Lorenzos Giftgemisch und wählt entschlossen den Freitod. (Programmbuch ROMEO UND JULIA der Staatsoper Unter den Linden, 2002)

Um der Anforderung, Tanz und schauspielerische Elemente zu verbinden, gerecht zu werden, proben Iana und Dinu seit Wochen intensiv mit der Ballettmeisterin Christine Camillo.

Bettina Stöß hat die drei bei einer Probe mit der Kamera begleitet.

Rollendebüt als JULIA


Am 8. Mai feiert Elisa Carrillo Cabrera ihr Rollendebüt als Julia in John Crankos Version von ROMEO UND JULIA.

Zusammen mit ihrem Ehemann Mikhail Kaniskin wird sie in den kommenden vier Vorstellungen das Liebespaar  tanzen. Mikhail hat die Rolle des Romeo bereits getanzt, doch auch für ihn ist es die Berlinpremiere.

Die Erfolgsproduktion können Sie nach wie vor in der Deutschen Oper Berlin erleben.

Lassen Sie sich von der tragischen Liebesgeschichte des jungen Paares mitreißen. Im Zusammenspiel mit Serge Prokofieffs berühmter Ballettkomposition ist in Crankos zeitlosem Meisterwerk die Vorahnung künftigen Leids genauso enthalten wie die Schönheit einer reinen und unschuldigen Liebe.

Die Proben laufen auf Hochtouren. Anbei findet ihr ein paar Eindrücke von den Proben des Ensembles.

Die Besetzung am 08. Mai 2012

Julia: Elisa Carrillo Cabrera
Romeo: Mikhail Kaniskin
Mercutio: Dinu Tamazlacaru
Tybalt: Leonard Jakovina
Benvolio: Alexander Shpak
Graf Paris: Dmitry Semionov
Lady Capulet: Beatrice Knop

Termine

08. | 18. Mai 2012
15. | 17. Juni 2012


Fotos: Svenja Klein

 

 

  

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