Freunde im Gespräch über „Die Bajadere“.


BildAm 25. Oktober 2012 begrüßten Vladimir Malakhov und Dr. Christiane Theobald zahlreiche Mitglieder der Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin im Foyer de la danse zu einem Künstlergespräch über DIE BAJADERE, die einen Tag später Wiederaufnahme feiern sollte.

Vladimir Malakhov erzählte zunächst über seine erste Begegnung mit der Inszenierung von Natalia Makarova und seine eigene Choreographie, deren erste Schritte er – für alle Anwesenden überraschend – mit der damals 18-jährigen Shoko Nakamura in Wien ausprobiert hatte.

DIE BAJADERE hat bei Vladimir Malakhov seit jeher eine Faszination ausgelöst, der er sich nicht entziehen konnte. Für seine eigene Inszenierung hat er Notenmaterial gesichtet und mit einem Korrepetitor fehlende Musik zusammengetragen, die Tanznotation mit Choreologen analysiert und Videos anderer Inszenierungen betrachtet, bis sich alle Bausteine zu seiner eigenen Fassung zusammenfügten.

Dr. Christiane Theobald erinnert sich daran, dass die Premiere DIE BAJADERE 2002 in der Staatsoper Unter den Linden, noch bevor das Staatsballett Berlin gegründet wurde, am gleichen Tag Premiere feierte, wie die Produktion bei John Neumeier in Hamburg. Ein selten aufgeführtes Ballett, in dem zahlreiche Tänzerinnen den faszinierenden Schattenakt gestalten, an zwei Orten in Deutschland gleichzeitig auf die Bühne zu bringen, war schon äußerst ungewöhnlich und ein großer Zufall.

Vladimir Malakhov und Dr. Christiane Theobald gingen in medias res und so kamen sie auf einen der intensivsten Momente der Produktion zu sprechen: den Schattenakt.

Diesen leiten 32 Tänzerinnen als scheinbar endlose Kette ein, Arabesque an Arabesque wirken die Schatten wie ein Schleier, der sich über die Bühne windet, atemberaubend und faszinierend. Eine Frage, die sich wahrscheinlich zahlreiche Zuschauer stellen, richtete Frau Dr. Theobald an Herrn Malakhov: wie entscheidet er, welche Tänzerin den ersten Schatten tanzt? Das ist eine Frage, so Vladimir Malakhov, über die er sich stets mit der für die Schatten verantwortlichen Ballettmeisterin, Barbara Schroeder, austauscht. Denn die Tänzerin muss verschiedene Fertigkeiten vereinen: Sicherheit in der Balance, ausgeprägtes Taktgefühl, Konstanz in den Bewegungen, sie muss die Kraft aufbringen, insgesamt 42 Arabesques in gleicher Qualität durchzuführen und sollte möglichst groß sein. In diesem Jahr ist die Auswahl auf Nanami Terai gefallen. Für alle Tänzerinnen stellt die Schräge, auf der die Arabesques getanzt werden, eine Herausforderung dar. Frau Dr. Theobald erklärt, dass diese Schräge ausschließlich wenige Minuten vor dem Auftritt während der Pause aufgebaut wird – für das Publikum unsichtbar –und nur in diesem Zeitfenster jede Tänzerin die Möglichkeit hat, einige Bewegungen darauf zu absolvieren.

Bei der Ausführung der Bewegung achtet Vladimir Malakhov insbesondere auf die Gesamtheit der Gruppe und nicht auf einzelne Tänzerinnen, denn führt eine die Arme in anderem Tempo nach oben oder hält das Bein in der Arabesque niedriger als die anderen, zerstört dieser Fehler das Gesamtbild. Um zu vermeiden, dass die Tänzerinnen bei den Proben im Ballettsaal in den Spiegel sehen, um ihre Position zu überprüfen, zieht er regelmäßig den Vorhang zu, denn auf der Bühne gibt es schließlich auch keinen Spiegel.

Der Schleier zieht sich als Kernelement durch das gesamte Stück, so Frau Dr. Theobald. Die Tempeldienerin Nikia erhält diesen als Geschenk ihres Geliebten Solor, verliert ihn jedoch bei ihrer Flucht zurück in den Tempel, um dem aufgebrachten Großbrahmanen zu entgehen, der sie heimlich beobachtet hatte. Jedoch findet dieser – rasend vor Eifersucht – den Schleier und verwendet ihn, um den Radscha Dugmanta vor der Verlobungsfeier seiner Tochter Hamsatti und Solor auf die heimliche Liebe von Solor und Nikia hinzuweisen. Dieser Beginn der Intrige, setzt sich bis in das Schlussbild fort.

Selbstverständlich wurde während des Künstlergesprächs auch über die Besetzung der Wiederaufnahme am 26. Oktober gesprochen, und Frau Dr. Theobald bat Herrn Malakhov, die Anwesenden über seine Pläne zu informieren. Er habe sich explizit für drei Tänzerinnen und Tänzer entschieden, die die Partien jeweils zum ersten Mal tanzen sollen, ein besonderes Wagnis, denn jeder muss sich auf sich, seine Fähigkeiten und Sicherheit selbst verlassen. Jedoch setzt er großes Vertrauen in Iana Salenko als Nikia, Marian Walter als Solor und Sarah Mestrovic als Hamsatti. Alle drei standen unter einem enormen Druck, aber Herr Malakhov lobt sie für ihre gute und saubere Technik, außerdem arbeiteten sie sehr an sich, versuchten sich in jeder Probenminute in die Charaktere hineinzuversetzen. Vladimir Malakhov selbst stand bis kurz vor diesem Gespräch mit einer weiteren Besetzung im Ballettsaal, schließlich ist es seine Choreographie, die er perfekt auf der Bühne umgesetzt sehen möchte.

Am Sonntag, eigentlich ein freier Tag, wird die russische Startänzerin Svetlana Zakharova für ihre erste Probe mit Vladimir im Ballettsaal stehen. In den kommenden Tagen muss sie die Besonderheiten der Choreographie erlernen, wobei ihr Vorteil ist, DIE BAJADERE bereits auf zahlreichen großen Bühnen getanzt zu haben. Auf diese Weise kann sie die für sie fehlende Bühnenprobe kompensieren und steht dann am 1. November gemeinsam mit Dmitry Semionov als Solor und Sarah Mestrovic als Hamsatti auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin.

Zum Abschluss des Gespräches machte Vladimir Malakhov außerdem auf weitere illustre Gäste aufmerksam, die das Staatsballett Berlin im November erwartet: am 17. und 25. November tanzt Ekaterina Krysanova die Titelpartie in LA PERI und am 24. und 26. November Jason Reilly gemeinsam mit Shoko Nakamura in ROMEO UND JULIA.

Herr Malakhov und Frau Dr. Theobald bedanken sich recht herzlich bei allen anwesenden Mitgliedern der Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin e.V. und freuen sich auf ein Wiedersehen bei der ein oder anderen Vorstellung.

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