BÉJART: ZEITLEBENS VERBUNDEN MIT BERLIN



Maurice Béjart bewegte sein Publikum länger als ein halbes Jahrhundert, und mit seinen Choreographien, die bis heute ein großes Publikum finden, hat er Ballettgeschichte geschrieben. Man spricht vom „Phänomen Béjart“ und kommt damit der ungebrochenen Faszination näher, die von seinen Choreographien, oder besser: seinen Theaterspektakeln immer wieder ausgeht. Sie stehen für eine Ausdrucksform, die unverwechselbar und zutiefst persönlich ist. In seinen „Spectacles totales“ verbindet er die unterschiedlichsten Theatermittel, das literarisch-philosophische Wort begegnet der Musik, die Beredsamkeit des menschlichen Körpers verbindet sich mit Zeichen und Symbolen. Er füllte Sportpaläste und Arenen, hinterließ aber auch mit intimen Studien getanzte Skizzen menschlicher Befindlichkeiten.

Der Stadt Berlin ist Maurice Béjart zeitlebens verbunden gewesen, hier feierte er bereits 1957 seine ersten ganz großen Erfolge. Er gastierte mit seinem ersten eigen Ensemble, dem Ballet-Thátre de Paris, mit seinen Werken „Le Teck“, „Sonate à trois“ oder „Symphonie pour un homme seul“.

Der Berliner Kritiker Klaus Geitel: „Dabei gewitterte es ringsum, wenn die Truppe auftrat, und Béjart erwies sich als Herr des Donners. Mehr noch: er choreographierte den Schrei. Er war der jedes einsamen Menschen, eingefangen in einer choreographischen Symphonie; und gerade die Jungen, im Gegensatz zu heute, waren es damals noch, die sich einsam fühlten. Béjarts frühes Werk war deutlich der Romantik (zumal der deutschen) verschwistert und verbrüderte sich mit der großstädtischen Einsamkeit. […] Berlin schloss Béjart ins Herz. Als er wiederkehrte mit seiner Compagnie und in den kleinen Theatersaal der Kongresshalle einzog, bestätigte sich sein Triumph. Sein Erfolg zog größere Kreise. Jetzt drängte man ihm in Berlin schon stärker zu und mutig entschlossener auch: Die Freie Volksbühne verpflichtete ihn, für eine vierwöchige Saison im Steglitzer Titania-Palast.“

In der Deutschlandhalle zeigte er seine „Neunte Sinfonie Beethovens“ mit seinem Ballets du XXième Siècle, und wenig später „Romeo und Julia“ (zur Symphonie dramatique von Hector Berlioz).

In den Siebzigerjahren hat er der Deutschen Oper Berlin eine Vielzahl seiner Ballette zur Aufführung überlassen: Seine Version des „Bolero“ von Maurice Ravel, „Le Sacre du printemps“, „Der Feuervogel“ und „Opus 5“.

Für das Ballett der Staatsoper Unter den Linden choreographierte er 1993 „Nacht. Verklärte Nacht. Der wunderbare Mandarin“ und 1996 – in enger Zusammenarbeit mit Daniel Barenboim – „Apropos Scheherazade“. 1996 vertraute er diesem Ensemble „Le Concours“ an, ein Ballett-Krimi, der das Berliner Publikum über mehrere Spielzeiten begeisterte.

In dieser Stadt hat er 1990 auch sein Meisterwerk „Ring um den Ring“ zur Uraufführung gebracht, in einer einzigartigen Kooperation zwischen seiner eigenen Compagnie, dem Béjart Ballet Lausanne, und dem Ballett der Deutschen Oper Berlin. Und 2004 war er nocheinmal nach Berlin gekommen, um dieses Werk mit Vladimir Malakhov und dem Ensemble des Staatsballetts Berlin selbst neu einzustudieren – erneut ein großer Erfolg.

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