DAS KOSTÜM STEHT NIE ALLEIN FÜR SICH, ES GIBT IMMER EINEN SINN DAHINTER


Susan Kohlmorgen ist Produktionsleiterin im Bereich Kostüm an der Deutschen Oper Berlin und sorgt dafür, dass die Entwürfe der Kostümbildner umgesetzt werden. Für das Staatsballett Berlin hat sie bereits für einige Produktionen gearbeitet. Zuletzt arbeitete sie an der Seite von Tatiana Noginova an den Kostümen für NUSSKNACKER, an der Gala MALAKHOV & FRIENDS sowie an Angelin Preljocajs THE NIGHTS.

Wie ist Dein Beruflicher Werdegang? Wo hast Du gelernt?
Ich habe eine Schneiderlehre absolviert und einige Jahre in dem Beruf gearbeitet. Durch eine Cousine,  die Kostümbildnerin ist, bin ich ans Theater gekommen und ließ mich später an der Hamburger Fachschule für Gestaltung zur Gewandmeisterin ausbilden. Das ist die einzige Fachschule im deutschsprachigen Raum, die eine Zusatzausbildung anbietet, die auf die Bedürfnisse von Theater, Oper und Film zugeschnitten ist. Ursprünglich wollte ich eigentlich Mode machen, muss aber im Nachhinein sagen, dass ich ganz froh darüber bin, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

021213Staatsballett23Wie lange dauert die Ausbildung und welche Inhalte werden vermittelt?
Die Ausbildung dauert zwei Jahre und der Schwerpunkt liegt auf einer stimmigen Umsetzung der Kostümbild-Entwürfe. Einerseits geht es dabei um die Herstellung der Kostüme, zum Beispiel von historischen Bekleidungen. Andererseits um die Darstellung von Details, die sich aus dramaturgischen Notwendigkeiten ergeben, wie das Anbringen von Verschmutzungen oder andere Bearbeitungen.

Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es?
Eine abgeschlossene Schneiderausbildung und mindestens eine zweijährige Gesellentätigkeit im erlernten Beruf, davon 12 Monate in einer Theater- oder Kostümwerkstatt.

An welchen Bühnen warst Du bereits tätig?
Dadurch, dass ich immer frei gearbeitet habe, bekam ich Einblick in ganz unterschiedliche Projekte und war für eine Vielzahl von Häusern tätig. Dazu zählen beispielsweise die Kammeroper Rheinsberg, das Thalia Theater und Schauspielhaus Hamburg, Berliner Ensemble, Volksbühne, Maxim Gorki Theater, Theater 89, Festspielhaus Bayreuth und unterschiedliche Fernsehproduktionen.

Du kommst ja ganz nah an die Protagonisten heran. Unterscheidet sich die Arbeit zwischen Opernsängern, Schauspielern und Tänzern? Sind die einen komplizierter als die anderen?
Ja in der Tat. Tänzer sind sehr umgänglich. Ihnen ist es in erster Linie sehr wichtig, dass die Kostüme sie nicht in ihrem  Bewegungsfreiraum einschränken. Es kommt natürlich auch mal vor, dass ihnen etwas nicht gefällt, aber grundsätzlich ist die Zusammenarbeit sehr angenehm. Sie haben auch Körper, für die es unkompliziert ist, zu nähen. Schwieriger ist die Arbeit mit Schauspielern, die sich auf eine ganz intensive Weise mit ihren Kostümen auseinandersetzen. Dadurch, dass sie sich sehr mit der Rolle identifizieren, ziehen sie oftmals keine Grenze zwischen Privatleben und dem, was auf der Bühne stattfindet. Wenn ihnen privat violett nicht steht, wollen sie es beispielsweise auch nicht auf der Bühne tragen – obwohl es für die Rolle aber genau richtig ist. Ich habe nur sehr wenige Schauspieler kennen gelernt, die diese Grenze ziehen können.

Ist das Dein Traumjob? Wann ist der Entschluss gefallen, diesen Berufsweg einzuschlagen?
Ich habe nie was anderes im Kopf gehabt. Meine Großmutter war Schneiderin und mein Großvater Maler. Sie waren für mich wegweisend. Ich war zwar lange auf Mode fixiert, finde aber Bühne, ganz egal welche Sparte, spannender. Es ist nicht nur die Klamotte um die es dort geht, da steht immer eine Geschichte dahinter und es gibt immer einen Grund, warum ein Schauspieler zum Beispiel ein grünes T-Shirt trägt und nicht ein rotes. Die Kleidung steht nie allein für sich, es gibt immer einen Sinn dahinter.

Wie sieht ein gewöhnlicher Produktionsablauf aus?
Nach der Anfangsbesprechung legt man erst einmal Kostümordner an, selektiert die Kostüme nach Damen und Herren und prüft, was eventuell bereits im Fundus zur Verfügung steht. Dann schaut man, welche Stoffe besorgt werden müssen, betreibt Materialrecherche und legt fest, welche Kostüme neu genäht werden müssen. Das Nähen übernehmen für die Opernhäuser und einige Schauspielhäuser in Berlin die Werkstätten des stiftungseigenen Bühnenservices. Im nächsten Schritt finden die Kostümproben statt, diese müssen ausgewertet werden und die Änderungen an die Werkstätten in Auftrag gegeben werden. Natürlich muss gewährleistet sein, dass sich alle diese Tätigkeiten im Rahmen des vorgegebenen Budgets bewegen. Kostenkalkulation und – Überwachung gehören auch in meinen Bereich.

Ein Kommentar Add yours

  1. Ein spannender Artikel über die Arbeit hinter der Bühne. Vielen Dank!

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