DER SPAGAT ZWISCHEN BERUF UND STUDIUM


Henriette Köpke studierte Kultur- und Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität und ist Projektleiterin des Education Programms am Staatsballett Berlin. Hier berichtet sie über ihren Alltag zwischen Opernhaus und Universität.

Nachdem ich mit dem Studium der Kultur- und Medienwissenschaft begonnen und das Studentenleben ein paar Monate lang in vollen Zügen genossen habe merkte ich, dass ein kleiner Zuverdienst neben dem Bafög nicht schlecht wäre. Da mein Interesse schon seit Kindheitstagen dem Ballett gilt, fragte ich bei der Ballettcompagnie meiner Heimatstadt an. Tatsächlich bestand Bedarf an einer geringfügigen Unterstützung, so dass ich im Dezember 2012 begann, als studentische Hilfskraft den Verein Tanz ist KLASSE! in seinen Tätigkeiten zu unterstützen. Zunächst wurde ich mit der Akquise von Neukunden und der Nachbereitung von Workshops beauftragt, eine Aufgabe, die recht variabel in meinen Stundenplan unterzubringen war.

Nach kurzer Zeit wurde ich mit weiteren Aufgaben betraut. So kümmere ich mich um die Korrespondenz mit unseren Partnerschulen und –kindertagesstätten sowie die gesamte Organisation von Workshops beim Staatsballett Berlin für junge Erwachsene und Kinder. Die Organisation umfasst die Absprache über Inhalte und Ablauf mit den Tanzpädagogen, die Korrespondenz mit den Teilnehmern sowie die Dokumentation durch Film und Foto am Veranstaltungstag. Die Nachbereitung der Workshops gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben. Durch meine Arbeit in enger Zusammenarbeit mit dem Staatsballett Berlin und den drei Berliner Opernhäuser erhalte ich einen umfangreichen Einblick in die Opernlandschaft und die Arbeit in einem künstlerischen Betrieb. Gerade durch die großen Projekte habe ich die Möglichkeit, die Arbeit der unterschiedlichsten Gewerke kennenzulernen. Ich lerne Abläufe kennen, die nötig sind, eine Aufführung auf die Bühne zu bringen, unter Berücksichtigung und in Absprache des künstlerischen-, technischen- und des Verkaufsteams.

Stop-Por_100913_006_EnricoNawrath_m_WEBSITEIn der täglichen Arbeit erhalte ich die Möglichkeit, meine organisatorischen Fähigkeiten weiter zu schulen. Da ich mittlerweile auch für die Übersicht finanzieller Belange zuständig bin, erhalte ich zudem einen Einblick in buchhalterische Abläufe und übe mich in der Erstellung von Förderanträgen, in die ich bereits durch einen Kurs an der Uni im Rahmen der „Berufsfeldbezogenen Zusatzqualifikationen“ (Fundraising/Sponsoring und Projektmanagement im Kulturbereich) einen Einblick erhalten konnte.

Neben all diesen Tätigkeiten gehe ich weiterhin zur Universität. Ich versuchte mir von Anfang an, die Lehrveranstaltungen auf einen Tag zu legen oder Abendveranstaltungen zu besuchen, um Beruf und Studium kombinieren zu können. In einem Theater- oder Opernbetrieb gibt es in der Regel nicht die klassischen Arbeitszeiten „9 to 5“, was für mich einen Vorteil darstellt: Besuche ich unter der Woche am Vormittag Vorlesungen und Seminare, kann ich noch am Abend Bürotätigkeiten erledigen oder Workshops begleiten, genauso am Wochenende. Meinen Stundenplan habe ich mir so gestaltet, dass ich mindestens an einem Wochentag nicht in die Universität gehe, um den ganzen Tag für die Arbeit zur Verfügung zu haben.

Auch versuchte ich stets – soweit möglich – die Arbeit auch inhaltlich mit dem Studium zu verbinden: Ich besuchte ein praktisches, theaterpädagogisches Seminar, dessen Techniken ich zum Teil in den Workshops im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit anwenden konnte. Ich besuchte ein Seminar zum Thema Traum und Schlaf, dessen Inhalte ich in unserem Jahresprojekt anwenden konnte: Dieses behandelte ausschließlich das Thema Schlaf, in tänzerischer Interpretation. Als die Wiederaufnahme der Ballettproduktion „Die Bajadere“ beim Staatsballett auf dem Spielplan stand, verfasste ich eine Hausarbeit zu einem Aspekt dieses Balletts.

Bei einem geisteswissenschaftlichen Studiengang und einer Arbeitsstelle in einem Kulturbetrieb ist dies natürlich möglich, da es viele Überschneidungspunkte gibt – beziehungsweise kann man diese herstellen. So funktioniert die Kombination aus Beruf und Studium in meinem Fall wunderbar und ich habe den Spaß an beiden Tätigkeiten nie verloren, auch wenn diese Doppelbelastung zum Teil spürbar war und ist. Doch genau der Mix aus praktischer Tätigkeit und solcher in der Universität, bei denen ich philosophieren, lesen und mich mit den Kommilitonen austauschen kann, macht den Reiz aus – ich hätte auf keine Seite verzichten wollen. Glücklicherweise werde ich auch nach meinem Studium in diesem Beruf und Betrieb weiterarbeiten dürfen, was mich in meiner Studiums- und Berufswahl nur bestätigt und sehr freut.

Text: Henriette Köpke
Foto: Enrico Nawrath

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