AURORA TANZT CLARA


Einer von Aurora Dickies Vorsätzen für das Jahr 2016 ist Deutsch zu lernen. Obwohl die Brasilianerin deutsche Vorfahren hat und schon seit letzter Spielzeit zur Compagnie gehört, hat sie aufgrund ihres ziemlich vollen Trainingsplan kaum Zeit dafür gefunden. Aber das soll sich im nächsten Jahr ändern! Wie sie die Weihnachtszeit verbringt und wie sie sich auf Ihr Rollendebüt als Clara in „Der Nussknacker“ vorbereitet hat, erzählt sie hier.

Erzähl uns ein bisschen was zu deinen Anfängen im Ballett. Also über deine Ballettausbildung und wann Du angefangen hast zu tanzen …
Ich bin in Brasilien geboren und meine Mutter war dort Balletttänzerin. Sie hat mich immer mit zu den Proben in ihrem Ballettstudio genommen, wo sie als Lehrerin gearbeitet hat, da meine Eltern niemanden hatten, der auf mich aufpassen konnte und meine Schwestern in der Schule waren. Deshalb bin ich vertraut mit Tanzen, seit ich ein kleines Kind war. Mit vier oder fünf Jahren habe ich angefangen, Ballettunterricht zu nehmen. Ich bin dann immer nach Hause gegangen, hab getanzt oder mir Ballettvideos angeschaut, aber alles hat mit meiner Mama angefangen. Mit elf Jahren bin ich dann für fünf Jahre an die Bolschoi Schule in Brasilien gegangen, wo ich meine Ballettausbildung absolvierte.

Wann wusstest du, dass Du eine professionelle Balletttänzerin werden wolltest?
Das Leben einer Tänzerin war schon immer das Leben, das ich gelebt hatte, seit ich ein Kind war. Ich habe immer im Wohnzimmer getanzt und die alten Spitzenschuhe meiner Mutter anprobiert. Aber als ich so zwischen 13 und 14 war, gab es einen Moment, an dem ich aufhören wollte zu tanzen. Ich wollte ein normaler Teenager sein und mich zum Beispiel mit Freunden treffen, sie zu Hause besuchen und zusammen mit ihnen Hausaufgaben machen. So etwas konnte ich nie. Ich hatte morgens Schule und nachmittags Ballettunterricht, dann nach Hause und alleine Hausaufgaben machen. Ich habe Lernen schon immer geliebt und war auch immer recht gut in der Schule, deshalb hab ich mit 14 Jahren darüber nachgedacht, etwas komplett anderes zu machen. Dann durfte ich von der Bolschoi Schule aus mit auf eine Reise nach Moskau, um dort ein paar Wochen am Bolschoi Theater am Training teilzunehmen und bei den Proben zu zuschauen. Zum ersten Mal habe ich gesehen, was es bedeutet, eine professionelle Balletttänzerin zu sein, und da habe ich mich entschieden, diesen Weg weiterzugehen.

Wie verbringst Du am liebsten Deine freie Zeit? Was sind Deine Hobbys?
Hier in Berlin ist es immer noch schwierig zu sagen, dass ich eine Routine gefunden hätte, wie Orte, an denen ich gerne bin. In Washington hatte ich Parks oder Restaurants, die ich mochte und gerne besuchte. Hier verbringe ich die meiste Zeit zu Hause, hauptsächlich mit Ausruhen oder mit dem Nähen von Spitzenschuhen  (lacht) und Netflix Serien zu gucken. Wenn ich nicht zu müde bin, erkunde ich gerne die Stadt und gehe essen mit meinen Freunden. Ich liebe Restaurants. Ich bin generell an allem interessiert, was mit Kultur zu tun hat, wie zum Beispiel das Konzerthaus, die Oper oder die Staatskapelle und Museen.

Inerview mit Aurora DickieDu hast schon in Brasilien und Washington getanzt und tanzt jetzt in Deutschland. Sind da große Unterschiede zwischen den einzelnen Compagnien und der Art und Weise des Lebens?
Ja klar sind da Unterschiede. Ich denke ein Unterschied ist, dass wir in Washington eine Compagnie von ungefähr 22 Tänzern waren und hier in Berlin sind wir über 80 Tänzerinnen und Tänzer. Die Dynamik der Gruppe ist eine ganz andere, und die Aufteilung der verschiedenen Ränge. Es sind so viele Leute, es hat einen Monat gedauert alle Namen zu lernen (lacht). Aber Ballett ist Ballett, da gibt es keine Unterschiede. Ich bin hergekommen, um zu tanzen.
Ich finde die Menschen hier etwas ernster als in Washington oder Brasilien. Die Amerikaner haben auch einen ganz anderen Humor. Manchmal sage ich etwas, das lustig sein sollte und niemand lacht. Dann muss ich ihnen erklären, dass das ein Scherz war (lacht wieder). Was noch anders ist, ist, dass wir hier in Berlin verschiedene Repertoirestücke gleichzeitig tanzen. In meiner alten Compagnie hatten wir vier oder fünf Wochen Probe und dann eine Woche mit 8 Vorstellungen. Danach kam dann das nächste Stück, und hier tanzen wir an einem Abend „Secus“ und am anderen „Dornröschen“. Das macht es abwechslungsreich, und das mag ich. Ich glaube, dass Sich-Anpassen an die Außenwelt, abseits von der Arbeit, ist das Härteste. Bei der Arbeit bist du beschäftigt, und auch wenn es eine andere Art von Arbeit ist, ist es Arbeit. Du trainierst und spornst Dich an, dass ist überall gleich.

Aurora, bald hast Du Dein erstes  Rollendebüt als Solotänzerin hier am Staatsballett Berlin in der Rolle der Clara in „Der Nussknacker“ … Bist Du aufgeregt und wie hast Du Dich auf dieses Rollendebüt vorbereitet?
Viele Proben! „Nussknacker“ ist herausfordernd, weil es sehr lange Szenen gibt und diese Version hier einen speziellen Stil hat. Außerdem ist Clara ein sehr sanfter Charakter, und ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich meine Bewegung verfeinere, um sie angemessen zu porträtieren. Ich bin sehr groß, was es schwierig für mich macht, sie dazustellen.

Ist Clara schon immer eine Figur gewesen, die Du unbedingt tanzen wolltest?
Ehrlich gesagt nicht so sehr, was aber nicht bedeutet, dass es nicht besonders ist, sie zu tanzen. Es gibt eine kleine persönliche Geschichte zu dieser Rolle: Als meine Mama im vierten Monat schwanger war mit mir, tanzte sie in „Der Nussknacker“ die Zuckerfee, also den Pas de deux im zweiten Akt, in Brasilien. Deshalb ist es wirklich besonders für mich, diese Rolle als professionelle Ballerina zu tanzen.

Was macht die Clara für Dich zu so einer besonderen Figur im Vergleich zu anderen weiblichen Hauptfiguren in Ballettstücken?
Das Magische an Clara ist, ist das sie noch ein kleines Mädchen ist, und dass das Ballett für ein junges Publikum wie Kinder gemacht ist. Wenn du das Mädchen auf der Bühne siehst, wie sie Dich anguckt, dann kannst Du Dich mit ihr, ihrem Traum und ihren Gefühlen identifizieren. Clara ist eine der guten Rollen aber für mich gibt es noch andere Rollen, die mich tänzerisch noch mehr fordern und mit denen ich meinen Charakter auf der Bühne mehr entwickeln kann.

Weihnachten ist die Zeit des „Nussknacker“, was für Dich als Tänzerin viel Training und Arbeit bedeutet, hattest Du denn trotzdem Zeit ein paar Berliner Weihnachtsmärkte zu besuchen?
Ja, ich war auf zwei verschiedenen Weihnachtsmärkten, beide mochte ich sehr. Der eine war sehr voll, weil es ein Samstagabend war, der beim Konzerthaus. Ich war dort mit Freunden von hier, und wir haben Glühwein getrunken und hatten einen schönen Abend. Und dann war ich auch noch bei dem in Charlottenburg.

Nun bist Du ja schon eine Weile in Deutschland, was würdest Du sagen ist typisch Deutsch, vielleicht auch in Bezug auf Weihnachten?
Bratwurst (lacht), die mag ich auch. Und Fahrräder. Ich finde es toll, wie hier alle mit dem Fahrrad fahren, und endlich habe ich mir auch eins gekauft, mein allererstes eigenes Fahrrad. Damit fahre ich jetzt immer zur Arbeit und durch die Stadt. Die Weihnachtsmärkte hier sind auch typisch deutsch.

Du kommst ja ursprünglich aus Brasilien, musst aber über die Weihnachtstage hier in Berlin arbeiten, fehlt Dir Deine Heimat und deine Familie? Hast Du manchmal Heimweh?
Ich bin jetzt seit 10 Jahren von zu Hause weg und seit fünf Jahren war ich zu Weihnachten nicht mehr zu Hause. Klar, ich vermisse mein zu Hause, meine Mama und meine Schwestern, aber mit der Zeit fängst Du an Dich an die Entfernung zu gewöhnen und lernst damit umzugehen.

Wie und mit wem verbringst Du die freien Weihnachtstage?
Meine Kollegin Luciana und ich sind beide aus Brasilien. Wir kennen uns jetzt schon sehr lange und sind wirklich gut befreundet. Ihre Mama kommt über Weihnachten nach Berlin und sie kocht etwas leckeres an Heiligabend und wir feiern zusammen mit noch ein paar anderen Kollegen. Das wird toll und ist wenigstens ein kleines Stück Heimat.

Nach Weihnachten kommt ja auch schnell der Übergang ins Neue Jahr, hast Du schon Vorsätze im Hinblick aufs Ballett für 2016?
Ich habe sehr viele Pläne in meinem Kopf, immer. Aber hauptsächlich möchte ich weiterhin hart arbeiten und weiter als Tänzerin wachsen und mich richtig in Deutschland einleben. Dazu gehört auch Deutsch zu lernen und zu sprechen. Am Ende der Saison verspreche ich Dir, machen wir ein Interview auf Deutsch!

Das Interview führte Chiara Berckhahn

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One of Aurora Dickies intentions for 2016 is learning German. Although the Brazilian has German ancestors and already belongs to the company since the last year she hasn´t found time for that because of her full schedule. But this should change next year! How she spends the Christmas time and how she prepared herself for her Debut as Clara in “The Nutcracker” you can read here.

Can you tell us a bit about your beginnings in ballet dancing? About your ballet education and the time when you started to dance …
I was born Brazil and my mum was a dancer. She always took me to rehearsals in her ballet studio, where she worked as a teacher because my parents didn’t have someone to leave me and my sisters were in school. So because of that I was familiar with dancing since I was a baby. When I was about four or five, that’s when I started taking classes. I went home, danced, and watched ballet videos. But all started with my mum. At the age of eleven I joined the Bolshoi School in Brazil, that’s where I got my main training for about five years.

When did you know that you wanted to become a professional ballet dancer?
The life of a dancer was always the life that I lived since I was a kid. I always danced in the living room and tried my mum’s old pointe shoes. But when I was about 13 or 14, there was a moment when I wanted to stop, because I wanted to be a normal teenager, I wanted to go and meet my friends in the afternoon or to go over to a friend´s house and to do homework together. I never had that, because it was always school in the morning and ballet in the afternoon, and then going home and doing homework alone. I always loved studying; I was always good in school as well, so when I was about 14, I thought about professional business or something completely different. Then I was awarded by the Bolshoi School a trip to Moscow to spend some weeks at the Bolshoi Theatre, taking classes and watching rehearsals. For the first time I saw what a real professional dancer is like and I, then, decided to pursue it.

How do you like to spend your free time? Do you have any hobbies?
Here in Berlin it´s still hard to say, that I have found a routine like places where I like to go in my free time. When I lived in Washington I had parks that I liked to visit or restaurants. Here I spend a lot of time at home mainly resting or sewing pointe shoes (laughs) and watching series on Netflix. When I am not too tired I like exploring the city and eating out with friends. I love restaurants. I´m very interested in everything that has to do with culture for example visiting the Konzerthaus, the Opera or the Staatskapelle and museums.

You have already danced in Brazil and Washington and now you dance here in Berlin. Are there huge differences between the companies and the different ways of life?
Yes there are differences. Well, the first thing different from Washington to Berlin is, that in Washington we were a company of about 22 dancers and here it’s a bigger company, we´re 80 plus dancers. So the dynamic of the company is different and all the ranks. It´s more people, it took me a month to learn all the names (laughing). But ballet is ballet; there is no difference. I came here to do want I know, to dance. That part has no differences.
I find here people a little bit more serious than in Washington or Brazil. Americans also have a different kind of humor. Sometimes I may say something that is supposed to be funny, and no one laughs and I have to say: “Okay that was a joke” (laughing again). Also, what is different here, is that here we have several productions going on at the same time. In my old company we did for example four or five weeks of rehearsal and then one week of eight shows and after that we went to the next. And here in Berlin we have at one night “Secus” and the other “Sleeping Beauty”. It keeps it exciting and I love that. But I think adapting to the lifestyle outside of the company has been the hardest part, because at work you are busy and even though it is different, it is work, you come and take rehearsals and push yourself that’s everywhere the same.

Aurora, soon you will have your debut as a Soloist here at the Staatsballett Berlin in the role of Clara in “The Nutcracker”- How have you prepared yourself for this role?

Lots of rehearsals! „Nutcracker“ is quite challenging because the Second Act pas de deux is quite long and this version has a specific style. Also Clara is a softer character, and I have been putting a lot of thought into how to make my dancing delicate in order to portray her accordingly. I´m quite tall, so sometimes for me it´s hard to portray her soft role.

Has Clara always been a figure which you wanted to dance?
Honestly it is not my dream role, but it doesn´t mean, that it is not extraordinary to perform it. There is a very special fact to this role, when my mom was four months pregnant of me, she performed „Nutcracker“ as the Sugar Plum Fairy, the pas de deux that Clara does in the second act, in Brazil. So there is something really endearing to me to be dancing it now, as a professional dancer.

What makes Clara to such a special figure in comparison to other female figures in ballet?
The magic about Clara is that she is a little girl and that it’s a children’s ballet for a younger audience and when you see the little girl on stage looking at you, you can identify yourself with her dream and her feelings. She is one of the good roles, but I think to me there are other roles, where you can explore a bit more in an artistic way, where you are more on stage and develop more you character.

Christmas is the time for “The Nutcracker” which means a lot of work and rehearsals for you, but did you have still time to visit some Christmas markets here in Berlin?
Yes, I have been to two different Christmas markets and I loved them. One of them was too crowed because it was a Saturday night; it was the nearby the „Konzerthaus“, I went with a friend from here and we had “Glühwein” and despite the crowd we had a good time. And I also have been to the one in Charlottenburg.

Now you are in Germany for a while, what would you say is typically German? Maybe also concerning Christmas? Bratwurst (laughing), which I like actually. And bikes. I love how everyone bikes here and I actually got myself one, my first bike ever. I come to work and go around the city by bike. And the Christmas Markets are very typical German.

You were born in Brazil but you have to work over the Christmas days here in Berlin, do you miss you hometown and your family?
I´ve been away from home now for ten years and for the past five years I haven´t been home for Christmas. I do miss home, my mom and sisters, but with time you start getting used to the distance and learning how to cope with it.

How and with whom will you spend the free Christmas days?
My fellow dancer Luciana and I are both from Brazil. We know each other for a long time and we are really good friends. Her mum is coming to town and she is going to make a little Christmas dinner on the 24thand we will celebrate together with a few other new friends from here. It will be nice; at least this is a little bit of home.

After Christmas the New Years Eve is not far away, do you already have plans for 2016?
I have a lot of plans in my head, always. But mainly for 2016 I want to continue working hard, keep growing as a dancer and keep adapting to my life here in Germany, which includes learning and speaking German! By the end of this season I promise we will do an interview in German!

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