Audition 2016


Es ist wieder soweit: Das Staatsballett Berlin lädt heute zum jährlichen Vortanzen. Von über 1.200 Bewerbungen aus aller Welt hat der Intendant Nacho Duato 400 Tänzerinnen und Tänzer zur Audition nach Berlin eingeladen.

Christine Camillo, seit 2004 Ballett- und Trainingsmeisterin beim Staatsballett, wird bei der Audition das Training der Damen leiten. Die gebürtige Französin studierte an der Académie Princesse Grace in Monte Carlo und gewann 1981 im Alter von nur 15 Jahren den „Prix de Lausanne“. An der Ballettschule der Pariser Oper vollendete sie ihre Ausbildung und trat 1982 dem Schottischen Ballett unter Peter Darrell bei, wo sie im Alter von 19 Jahren zur Solistin ernannt wurde. Von 1986 bis 1990 war sie Mitglied des English National Ballet, 1990 wurde sie als Erste Solistin an das Ballett der Deutschen Oper Berlin engagiert. 1996 wurde Christine Camillo von der Prüfungskommission des „Prix de Lausanne“ in die Jury berufen. 1997 war sie für den berühmten Tanzpreis „Benois de la Danse“ nominiert.

Wie baust Du das Training für die Audition auf? Was möchte Nacho Duato von den Bewerbern sehen?
Das Training ist klassisch-akademisch aufgebaut. Nacho möchte das Potenzial und die Technik der Bewerber sehen und wir müssen Tänzer finden, die unser klassisches Repertoire auf einem hohen Niveau tanzen können. Im Unterschied zu dem morgendlichen Training, das unsere Tänzer täglich absolvieren, ist das Training bei der Audition ein wenig ausgedehnter und konkreter. Damit meine ich, dass wir mehr ins Detail gehen müssen, um die maximale Bandbreite des Bewegungsrepertoires bei den Bewerbern freizulegen.

Wie flexibel kannst Du auf die Bewerber reagieren?
Ich habe zwar ein Konzept für das Training, passe mich aber immer an die Tänzer an. Es kommt auch vor, dass Nacho noch einen bestimmten Sprung sehen möchte, denn ich dann kurzfristig in eine Variation einbaue.

Nach welchen Kriterien werden die Tänzer im klassischen Training beurteilt?
Das erste, was wir sehen und beurteilen, wenn die Tänzer den Ballettsaal betreten, ist die Physis, also der Körper des Tänzers. Das sind beispielsweise die Proportionen, die Form des Körpers, Haltung, Linien der Beine und Füße. Bei den Übungen an der Stange sehen wir dann, ob die Platzierung der Hüfte, (die Auswärtsdrehung des Beines) ausreichend ist oder wie präzise die Fußarbeit ist. Bei den Tänzerinnen ist für den Spitzentanz eine starke Beinmuskulatur sehr wichtig. Hinzu kommen dann die Bewegung, Koordination, Musikalität, Persönlichkeit und die Fähigkeit, sich präsentieren zu können.

Welche äußeren Kriterien wie etwa die Körpergröße gibt es?
Im Gegensatz zu früher werden heute eher großgewachsene Tänzer bevorzugt. Insbesondere ist eine bestimmte Körpergröße bei Männern wichtig. Beim Pas de deux sollte der Mann einige Zentimeter größer sein als seine Partnerin, weil diese auf der Spitze stehen wird. Zu unterscheiden ist hierbei jedoch, ob es sich um Solisten oder Tänzerinnen und Tänzer für das Corps de Ballet handelt. Iana Salenko ist beispielsweise eine sehr kleine Tänzerin, für das Ensemble ist sie aber ein Juwel!

Was würdest Du den Bewerbern bei der Vorbereitung auf das Vortanzen raten, insbesondere den sehr jungen Tänzern?
Es wäre keine gute Idee, in der Nacht vor der Audition Party zu machen (lacht). Wichtig bei der Audition sind Konzentration und Gelassenheit. Gelassenheit ist wichtig, um die Aufregung in den Griff zu bekommen. Der Tänzer sollte dem Lehrer und dem, was um ihn herum passiert, aufmerksam und fokussiert folgen. Zuletzt ist es für jeden einzelnen Tänzer auch wichtig sich bewusst zu  machen, was von ihm in der Compagnie erwartet wird.

Kannst Du Dich an Dein erstes Vortanzen erinnern?
Nach meiner Ausbildung an der Ballettschule der Pariser Oper bekam ich die Möglichkeit am Schottischen Ballett unter Peter Darrell vorzutanzen. Ich wurde zu einer privaten Audition nach London eingeladen. Wir gingen in ein Ballettstudio, ich nahm am Training teil und durfte anschließend einige Variationen vortanzen. Ich war nicht unbedingt aufgeregt, aber sehr gespannt. Es war mein großer Wunsch mich weiterzuentwickeln. Ich war nach dem Vortanzen sehr auf das Ergebnis gespannt, denn ich bekam nicht sofort Feedback. Erst nach vier Wochen wurde ich durch die positive Nachricht überrascht, dass ich ins Corps de ballet engagiert wurde. Nach einem Jahr wurde ich zur Solistin befördert.

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It’s this time of year again: Today, the Staatsballett Berlin holds its annual auditions. Out of more than 1,200 applications from all over the world, artistic director Nacho Duato has invited 400 dancers to audition in Berlin.

Christine Camillo, since 2004 Ballet Mistress with the Staatsballett, will lead the training of the women at the audition. Born in France, she studied at the Académie Princesse Grace in Monte Carlo and won the „Prix de Lausanne“ in 1981 at the age of only 15 years. She completed her training at the ballet school of the Paris Opera in 1982 and joined the Scottish Ballet under Peter Darrell, where she was appointed a soloist at the age of 19. She was a member of the English National Ballet from 1986 to 1990 and in 1990 she became a first soloist at the Ballet of the Deutsche Oper in Berlin. In 1996, Christine Camillo became a member of the jury for the „Prix de Lausanne“. In 1997, she was nominated for the famous dance award „Benois de la Danse“.

How do you conceive the training for the audition? What does Nacho Duato want to see?
The training is structured classically-academically. Nacho wants to see the potential and technic of the candidates and we have to find dancers who can dance our classical repertoire at a high level. In contrast to our regular morning training, the training at the audition is a bit more extensive and concrete. With this I mean that we need to go into more detail to expose the maximum bandwidth of the movement repertoire of the applicants.

How flexible can you react to the candidates?
While I have a concept for the training, I always adopt to the dancers. It also happens that Nacho wants to see a certain jump, which I then integrate in a variation on short notice.

According to which criteria are the dancers judged in the classical training?
Christine Camillo: The first thing we notice and judge when a dancer enters the ballet studio is the physique, the body of the dancer. For example the proportions, the shape of the body, the posture, the lines of the legs and feet. At the exercises at the barre, we see whether the placement of the hip is sufficient and how precise the footwork is. For female dancers strong leg muscles are very important for dancing en pointe. What comes in addition to this is the movement, the coordination, the musicality, personality of a dancer, and the ability to present oneself.

Which external criteria, such as body height, do exist?
Christine Camillo: Unlike in earlier times, rather tall dancers are preferred today. In particular, a certain body size is important in male dancers. In a pas de deux, the man should be a few centimeters taller than his partner, because she will be on pointe. However, this depends on whether it concerns a soloist or a member of the corps de ballet. Iana Salenko is for example a very small dancer, but for the ensemble she is a jewel!

What kind of advise would you give to applicants in preparation of the audition, especially to very young dancers?
Christine Camillo: It would be not a good idea to party the night before the audition (laughs). Important at the audition are concentration and calmness. Calmness is important in order to gain control of the excitement. The dancer should follow the teacher and what happens around him carefully and with focus. Finally, it is also important for every single dancer to acknowledge what the company expects from him or her.

Can you remember your first audition?
Christine Camillo: After my education at the ballet school of the Paris Opera, I had the opportunity to present myself at the Scottish Ballet under Peter Darrell. I was invited to a private audition in London. We went to a ballet studio, I took part in the training and then I was allowed to dance some variations. I was not exactly nervous, but very excited. It was my biggest wish to develop myself. After the audition, I was very curious about the results, because I did not get any feedback immediately. After four weeks, I was surprised by the positive news that I was appointed a member of in the corps de ballet. After one year, I was promoted to the position of a soloist.

 

Ein Kommentar Add yours

  1. Hat dies auf ballettloversblog rebloggt und kommentierte:
    Auditions ist ein harter Konkurrenzkampf für Tänzerinnen und Tänzer. Meist werden sehr viele für nur sehr wenig Stellen eingeladen. Ich wünsche allen Bewerbern ganz viel Glück!

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