NEU IM ENSEMBLE: SHAHAR DORI


Shahar Dori ist mit Beginn der Spielzeit 2016/2017 Ensemblemitglied beim Staatsballett Berlin. Der gebürtige Israeli hat seine Ausbildung an der Kibbutz Contemporary Dance Company Israel und Houston Ballet Academy absolviert und tanzte anschließend fünf Jahre für das Houston Ballet bis ihn sein Weg 2016 nach Berlin geführt hat.

Beschreibe Dich in ein paar Sätzen!

Ich bin Shahar Dori aus Israel. Mit 16 Jahren habe ich angefangen Ballett zu tanzen und bin dann dafür mit 17 Jahren nach Amerika gezogen. Dort habe ich fünf Jahre am Houston Ballett getanzt. Seit dieser Saison bin ich Teil des Staatsballetts Berlin.

Weißt Du noch, was Du früher werden wolltest?

Als ich klein war, wollte ich immer Schauspieler werden. So gesehen habe ich das auch erreicht. Ballett ist nicht nur das Tanzen, sondern man verkörpert auf der Bühne auch einen anderen Charakter. Du spielst und tanzt eine andere Person.

Wie bist Du eigentlich zum Tanzen gekommen?

Ich habe schon immer gern getanzt. Meine Mutter sagt immer, dass ich die Straßen nicht entlanggelaufen bin, sondern auf ihnen getanzt bin. Ich habe gefühlt, dass es das Richtige ist. Nie hatte ich gedacht, dass das nur ein Beruf ist, eher ein Hobby. Als ich zehn Jahre alt war, habe ich angefangen, JazzDance-Unterricht zu nehmen, danach übte ich mich im Hip Hop. Sechs Jahre später wurde ich an der Art High School in Haifa aufgenommen. Dort begann meine klassische und moderne Ausbildung. Es wurde ernst und vor allem anspruchsvoll. Ich glaube das war der Punkt, an dem ich realisiert habe, dass Tanzen mehr als nur eine Hobby ist. Tanzen war schon immer Teil meines Lebens. Es ist mehr als nur die Schritte oder eine Aufführung mit ein paar Tänzern. Es gibt viel mehr Hintergründe dieser Kunst, und ich denke, das fasziniert mich von Tag zu Tag mehr.

Bevorzugst du modernes oder klassisches Ballett?

Auf jeden Fall bevorzuge ich modernes Ballett, jedoch sehe ich das klassische als eine Herausforderung an, da meine Ausbildung in der Hinsicht recht spät anfing. Ich hatte viel nachzuholen, ich fühlte mich, als würden mir einige Grundlagen fehlen, die jeder Balletttänzer von Beginn an beherrscht. Mein Anfang war dadurch ziemlich schwer.
Modern ist meine Leidenschaft, eine  Herzenssache und wenn man ein wirklich guter moderner Tänzer sein will, ist es wichtig, Teil einer klassischen Compagnie zu sein. Das war und ist meine Motivation, an meiner klassischen Technik zu arbeiten und diese zu verbessern.

Shahar Dori Foto

Von den Rollen, die Du bis jetzt schon getanzt hast, welche war Deine liebste? Hast Du eine Traumrolle?

Meine liebste Rolle bis jetzt war „Ghost Dancers“ von Christopher Bruce. Ich verbinde damit viele schöne Erinnerungen an das Houston Ballet – meine ehemalige Familie. Wir hatten wirklich viel Spaß! Um ehrlich zu sein, würde ich als neoklassisches Stück liebend gern „Remanso“ von Nacho Duato tanzen, eines meiner absoluten Lieblingsstücke.
Von den klassischen Partien würde ich gern aus „Giselle“ den Albrecht tanzen.

Hast Du Vorbilder, nach denen Du dich richtest und Dich motivierst? Sowohl Tänzer als auch Choreographen?

Friedemann Vogel ist einer meiner liebsten klassischen Tänzer, seine Bewegungen sind so elegant und schön. Ein weiteres Idol ist Roberto Bolle. Er ist für mich ein großes Vorbild und inspiriert mich seit meinen Anfängen.
Bei den Choreographen habe ich meine Top 3. Für einen von ihnen arbeite ich – Nacho Duato! Außerdem zählen dazu noch Jiří Kylián und William Forsythe.

Erinnerst du dich noch an Deinen ersten Gedanken, als klar war, dass Du dem Berliner Staatsballett beitreten wirst?

Zuerst fällt mir der Tag des Vortanzens ein. Zu diesem Zeitpunkt war ich stark erkältet. Die Audition war sehr lang, dreieinhalb Stunden, von dem Moment an, als ich den Saal betrat und ihn wieder verließ. Mein Gedanke war: „Shahar, du schaffst es. Sei nicht zu nervös, sei einfach Du selbst!“ Ich erinnere mich noch ganz genau an den Moment, als ich Nacho ansah und er mich. Das gab mir zum Schluss die nötige Konzentration und Motivation, das Beste aus mir herauszuholen. Danach wurde mir klar, wie gern ich Teil dieser Compagnie sein wollte. Das Besondere an dieser Audition war, dass es weniger darum ging, wie hoch man springt, sonder es ging um die Qualität. Das ist ein Punkt, auf den ich persönlich sehr viel Wert lege. Die Art und Weise, wie man dem Publikum etwas vermitteln möchte.

Mittlerweile bist Du ja seit knapp fünf Monaten Teil der Compagnie. Wie fühlst du dich hier?

Ich bin sehr glücklich. Ich kann definitiv sagen, dass meine Entscheidung zu 100 Prozent richtig war, vor allem in Bezug auf meine Kariere. Ich fühle mich sehr wohl, hier jeden Tag arbeiten zu dürfen. Ich mag die Tänzer, es ist eine sehr schöne Atmosphäre im Studio. Ich fühle mich voll und ganz frei, ich hab die Chance, mich selbst zu entdecken. Ich habe keine Angst vor Fehlern oder davor, was andere über mich denken. Ich mache es einfach, und das ist ein wunderbares Gefühl.

Nacho kreiert eine sehr offene und entspannte, jedoch auch anspruchsvolle Atmosphäre und wenn Du willst, dann hast Du die Chance, Dich selbst als Künstler zu erforschen. Man hat die Freiheit dafür.

Mit dem neuen Job musstest Du auch deinen Wohnort ändern. Hattest Du schon Zeit, Berlin für Dich zu entdecken, und was gefällt Dir an Berlin?

Das habe ich, und ich liebe es! Ich war zuvor in Houston, Texas, das war großartig. Ich habe dort viele Freunde, jedoch war die Stadt weniger das, was ich mir mit 21 Jahren erhofft hatte. Berlin ist für mich ein wahrgewordener Traum, eine der besten Städte der Welt. Jeden Morgen wache ich auf und bin dankbar, hier leben zu dürfen. Ich bin sehr glücklich. Es gibt hier so viel Kunst an den verrücktesten und unvorstellbarsten Orten. In Berlin ist nahezu alles möglich. Ich habe hier auch einen unterstützenden Freundeskreis mit Vertrauten aus meiner Heimat. Aktuell freue ich mich sehr über den Winter. Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich schneit, denn weder in Israel noch in Houston schneit es.

Zum Abschluss wollen wir kurz in die Zukunft blicken: Wo siehst Du Dich selbst in zehn Jahren?

Hoffentlich immer noch tanzend. Ich möchte tanzen, solang ich noch die Leidenschaft dafür habe. Also hoffe ich, dass ich genauso Freude daran habe wie jetzt. Ich habe natürlich auch Vorstellungen, was ich danach machen könnte, aber aktuell möchte ich mich auf den Moment fokussieren. Vielleicht beginne ich bald damit, selbst zu choreographieren. Ich habe bereits in Houston ein Stück kreiert. Hier in der Compagnie fühle ich mich sehr wohl, also spricht auch nichts dagegen, in den nächsten Jahren mal selbst etwas zu kreieren.

// With the beginning of the season 2016/2017 Shahar Dori became a member of Staatsballett Berlin. He was born in Israel, where he started his dance education at the Kibbutz Contemporary Dance Company. He completed his education at the Houston Ballet Academy. Shortly afterwards, he became a dancer with the Houston Ballet.

Tell us a bit about yourself.

My name is Shahar Dori I’m from Israel. I started ballet at the age of 16 in Haifa, Israel and moved to America when I was 17. I’ve been dancing at Houston Ballet for the past 5 years and this season I join Staatsballett Berlin.

What was your ‘dream job’ when you were younger/a child?

I always wanted to be an actor. I do get to act on stage but I hope one day to still achieve it.

How did you get to dance, especially ballet?

I’ve always loved dancing. My mom always says I wasn’t walking on the streets, I was dancing. When I was younger I didn’t think it could be a professional job.
When I was 10, I started Jazz Dance and than moved to Hip Hop. Six years later, I become part of the Art High School in Haifa. My classical and modern training began there. Then it became serious, more demanding.
I think that was the point when I realized that dancing is more than a hobby. Dancing has always been a part of my life. It is more than just the steps or a performance with a few dancers. There is much more behind this kind of art and I think that fascinates me more every day.

Do you prefer classical or modern ballet?

In any case, I prefer modern ballet, but I see the classical as a challenge, since my training started in this respect quite late. I had a lot of catching up to do, I felt, as if I missed a few basics that ballet dancers learn from the beginning. My beginning was quite hard. Modern dance is my heartfelt passion, but if you want to be a really good modern dancer, it is important to be part of a classical company. This is my motivation to work on my classical technique and to improve it.

What was your favorite role so far? And which role is your goal or dream?

My favorite role so far was “Ghost Dancers” by Christopher Bruce. I connect it with many beautiful memories of the Houston Ballet – my previous family. We had a lot of fun!
To be honest, if we talk neo classical I would love to dance “Remanso” by Nacho Duato, which is my all time favorite piece. Regarding classical pieces, I would like to dance Albrecht from “Giselle”.

Do you have idols? Both, dancer and choreographer-wise?

Friedemann Vogel is one of my favorite classical dancers, his movements are so elegant and beautiful. And Roberto Bolle has always been an inspiration since I started dancing ballet when I was sixteen.
For the choreographers I have my top 3. I work for one of them, Nacho Duato. Besides that, there are Jiří Kylián and William Forsythe.

Do you remember your first thoughts when it was clear that you will join the Staatsballett Berlin?

At first I remember the day of the audition. At this time, I was strongly sick with the flu. The audition was long, three and a half hour from the moment I entered the studio and left it. My thought was “Shahar, you can do it. Don’t be too nervous, just be you!” I remember the moment when I was looking at Nacho and he was looking at me. That gave me the necessary concentration and motivation to get the best out of me. Then I realized how much I wanted to be part of this company. The special thing about this audition was, that it wasn’t about how high you jump, but it mattered about the quality. This is a point I personally value very much.

After five months in the company, how du you feel?

I am very happy. I can definitely say that my decision was one hundred percent right, especially with regard to my career. I feel very comfortable to work here every day. I like the dancers; it’s a very nice atmosphere in the studio. I feel free; I have the chance to discover myself. I am not afraid of making mistakes or what people may say or think. I just do it with all my heart, and that’s all that matters at the end of the day.
Nacho creates a very open and relaxed but still demanding atmosphere and if you want, you have the chance to explore yourself as an artist. You have the chance to be free.

Did you already have time to explore Berlin? What do you like about Berlin?

I did and I love it! I’ve been to Houston, Texas, before, that was great. I have many friends there, but the city was not my cup of tea as 21 years old back then.
For me with Berlin a dream comes true, it’s one of the best cities in the world. Every morning I wake up and I’m grateful to live here. There is so much art here at the craziest and most unimaginable places. In Berlin everything is possible.
I also have a very good support system from my Israeli friends in Berlin, something I’m very grateful for. I am looking forward to the winter. I can’t wait for snow, because neither in Israel nor in Houston it is snowing.

Where do you see yourself in ten years?

Hopefully still dancing. I would like to dance as long as I have the passion for it. So I hope I have as much pleasure as now. Of course, I have ideas about what I could do after that, but I would like to focus on the moment. Maybe I’ll start choreographing myself. I have already created a piece in Houston. Here in the company I feel very comfortable, so I don’t mind to create something in the next few years.

Interview: Fabienne Rohde

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s