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SPITZENSCHUHE FÜR KIEW


Unsere Erste Solistin Nadja Saidakova hatte kürzlich über die Not der Ballettschülerinnen an der Staatlichen Ballettschule in Kiew erfahren – ihnen fehlten dringend Spitzenschuhe – und konnte viele unserer Tänzerinnen und auch die Leitung dazu bewegen Spitzenschuhe zu spenden.  Insgesamt wurden ca. 200 Spitzenschuhe vom Staatsballett Berlin, und von den Tänzerinnen der Compagnie persönlich gespendet und von Nadja an die Schülerinnen der Staatlichen Ballettschule Kiew geschickt. Eine von Ihnen gewann sogar einen Preis mit den Schuhen (Foto).

 

Danksagung des Künstlerichen Leiters, Nobuhiro Terada:
Kiev State Ballet School saying greatest words of gratitude to Ms. Nadja Saidakova,  for supporting Ukrainian ballet children. Nowdays at difficult political times for Ukraine, many talented ballet children cannot afford to buy ballet shoes. That’s why our students got very happy when they were told that you may help with it. I saw in their eyes true gratitude. I am sure our students to conquer the big stages of the world and they will always remember your kindness.

Ballettschülerin Kiew

EIN TAG MIT …


Die beiden Ersten Solisten Iana Salenko und Marian Walter sind nicht nur auf der Bühne ein Paar. Auch ihr Privatleben mit Sohn und zwei Hunden in ihrem Häuschen unweit des Flughafens Tegel teilen sie miteinander. In dem aktuellen Staatsballett-Magazin geben sie uns Einblick in ihren Alltag

07.00 Uhr: „Um sieben klingelt bei uns der Wecker“, erzählt der Erste Solotänzer Marian Walter (33), seit zehn Jahren verheiratet mit der Ukrainerin Iana Salenko (31), ebenfalls Erste Solotänzerin am Staatsballett Berlin. Mit Sohn Marley (6) und den Möpsen Dina und Charly wohnen sie in Tegel. Während die rothaarige Ukrainerin Brötchen in den Ofen schiebt, geht ihr Mann mit den Hunden vor die Tür. „Um neun bringen wir Marley in den Kindergarten, dann fahren wir zum Staatsballett. Das Ballett-Training beginnt zwar erst um zehn. Aber so bleibt genug Zeit zum Umziehen, Aufwärmen – und manchmal auch für ein zweites Frühstück“, sagt Marian.

10.00 Uhr: Beim Training trennen sich zum ersten Mal ihre Wege: Marian übt mit den Männern, Iana ein Studio weiter bei den Frauen. „Manche Frauen trainieren aber lieber mit uns“, verrät Marian. „Unser Training ist kraftvoller, dafür wird mehr gelacht!“ Ins Schwitzen kommen jedoch beide Gruppen. Die Temperatur in den Proberäumen steigt nach vielen Pliés und Sprüngen merklich an.

11.00 Uhr: Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. Iana und Marian proben nach dem Training für „Ratmansky I Welch“. Er tanzt die Hauptrolle in der Choreographie „Namouna“ von Alexei Ratmansky, sie ist Solistin in der Choreographie „Clear“ von Stanton Welch. Spaß bei der Probe haben beide: Marian, in knappen Shorts, setzt zu früh zum Sprung an und prustet los. Nebenan wird Iana von zwei Tänzern so weit hochgehoben, dass sie kaum mehr herunterkommt. „Normalerweise proben wir täglich für mehrere Inszenierungen“, sagt Iana, die ab Februar 2015 die Prinzessin Aurora in „Dornröschen“ tanzen wird. „Dabei die einzelnen Choreographien im Kopf zu behalten ist nicht so leicht.“

12.30 Uhr: „Ratmansky I Welch“ ist heute die letzte Probe für das Solistenpaar. Die Vorstellung ist für Marian und Iana eine Premiere – sie tanzen zum ersten Mal in dieser Produktion. Zuvor steht noch ein Abstecher in die Kostümabteilung an. Wenig später steckt Iana in einem rosa Tutu, welches sie als Aurora tragen wird. Vor ihr stehen zwei Gewandmeisterinnen und Kostümbildnerin Angelina Atlagic. Problem: Das Tutu ist auf Taillenhöhe zu locker. Marian marschiert als Prinz Desiré im blauen Samtjackett durch die Garderobe. „Ich bin immer schneller mit der Anprobe fertig“, erzählt der Tänzer, der seit fast 13 Jahren in Berlin auf der Bühne steht.

13.30 Uhr: Endlich essen! „Wir verbringen die Mittagspause immer bei uns in der Kantine“, sagt Iana. Vor ihr stehen eine Nussschnecke und ein Cappuccino. Marian hingegen mag es herzhaft und bestellt Spiegelei, Blumenkohl und Kartoffelpüree. „Unser Sohn hat schon im Kindergarten gegessen. So sparen wir uns das Kochen zu Hause.“ Am Nachmittag haben Iana und Marian ihre Ruhezeit, da sie heute Abend auf der Bühne stehen werden. Auch die Arbeitszeit von Tänzern ist klar geregelt. Sie holen Marley ab, spielen mit ihm, gehen mit den Möpsen Gassi, ruhen sich aus und trinken Kaffee. Für den Nachmittag sind die beiden eine ganz normale Familie – so wie viele andere Paare beim Staatsballett.

17.00 Uhr: Drei Stunden vor der „Ratmansky I Welch“-Aufführung. „Zum Glück wohnt meine Familie in Berlin. So haben wir fast immer einen Babysitter für Marley“, sagt Marian auf dem Weg zur Tante. Eine Stunde später: Ankunft in der Staatsoper im Schiller Theater. Die nächsten 90 Minuten verbringen Iana und Marian mit Umziehen, Maske und Aufwärmen. „Vor Auftritten bin ich immer noch nervös“, gesteht Iana. Sie steht zuerst auf der Bühne. Marian tanzt etwas später. Um 22 Uhr schließt sich der Vorhang.

22.30 Uhr: Nach der Vorstellung sind Iana und Marian noch mit Freunden bei einem Italiener in Tegel verabredet; Marley übernachtet bei seiner Tante. Das Paar hat zwar am nächsten Tag frei, spät wird es heute jedoch nicht. „Nach so langen Tagen mit Proben und Aufführung sind wir meist schon um Mitternacht total müde.“ Und genau dann gehen die beiden auch ins Bett.

Staatsballett-Magazin, Ausgabe 2 – Spielzeit 2014/2015

„NOCH AM VORMITTAG DES 9. NOVEMBERS HABEN WIR VOR ERICH HONECKER IM PALAST DER REPUBLIK GETANZT … “


Birgit Brux und Barbara Schroeder waren vor 25 Jahren Solotänzerinnen in der Ballett-Compagnie der Deutschen Staatsoper Berlin, eine der drei Vorgängerinstitution des heutigen Staatsballetts Berlin. Wir haben zwei Fotos aus der Wendespielzeit 1989/1990 aufgestöbert, die sie beide während der Proben zu John Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“ zeigen. Nun Charaktersolistin und Tanzpädagogin am Staatsballett, erinnern sie sich an die damalige Zeit.

WENDEZEIT

Barbara Schroeder mit Kollegen bei Proben zu John Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“

„Noch am Vormittag des 09. Novembers haben wir vor Erich Honecker im Palast der Republik getanzt…“, erzählt uns Brigit Brux. „Man hat es brodeln gehört“, denn draußen auf der anderen Seite der goldenen Spiegelfenster näherte sich der Demonstrationszug. Doch wie so oft stellte die Kultur auch in der DDR eine Welt für sich da. Barbara Schroeder erinnert sich: „Wir Tänzer haben eigentlich alle wie in einer Glasglocke gelebt. An der Deutschen Staatsoper Berlin waren wir ganz oben angekommen. Mehr wollte man nicht, mehr hat man nicht erwartet.“ So auch Brux: „Man hatte als Tänzer viele Freiheiten. Wir hatten ein gutes Leben und Privilegien.“ Und im Gegensatz zu den meisten anderen DDR-Bürgern konnten Tänzer durch Gastspielreisen auch das Land verlassen. „Wenn man wirklich unzufrieden gewesen wäre, hätte man bei all den Tourneen einfach abhauen können.“, sagt Brux. Dennoch haben nur wenige diese Chance genutzt. Die eigene Familie und der enge Zusammenhalt in der Compagnie hielten sie zurück. „Wir waren sehr heimatständig. Man hatte an der Staatsoper Charakter und festen Boden gewonnen.“

WENDEZEIT

Birgit Brux (li) bei Proben zu John Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“

Und nach dem Mauerfall? „Es kam vor, dass plötzlich einfach Kollegen gefehlt haben, weil sie eben in den Westen gegangen sind“, berichtet Barbara Schroeder. Dafür aber kam dann die Welt nach Berlin: „Sowohl politisch als auch tänzerisch hat mir die Wende eine neue Sichtweise eröffnet. Vom Supermarkt bis zum Theater“, so Schroeder weiter. „Die große Welt strömte zu uns. Davor haben wir nur russische, klassische Choreographien getanzt, aber mit der Öffnung zum Westen kamen dann auch jene von Forsythe und Cranko … und Béjart, Roland Petit, Pierre Lacotte – sie trafen sogar persönlich ein. Das kann man einfach gar nicht toppen. Selbst heute nicht.“
Auch die Ballett-Compagnie selbst wurde bunter: „Wir waren bislang in unserem Ensemble immer unter uns gewesen, sind zusammen von der Ballettschule an die Oper gegangen. Auf einmal aber hat man Englisch in den Sälen gehört, und all die Tänzer aus dem Ausland kamen in die Compagnie“. Mit einem Schmunzeln fügt sie noch hinzu: „Wir haben dann allerdings weiter nur Deutsch miteinander gesprochen, bis es schließlich auch alle konnten!“

Wurde also alles besser? „Natürlich war es aufregend, aber nach der ersten Euphorie hat man sich schnell auch wieder zu Gewohntem eingefunden. Für andere war es ein großer Umbruch, aber für mich hat der Mauerfall nicht viel am Tanz oder an der Karriere geändert“, erzählt Brux. „Wir haben es einfach hingenommen. Ich war sowohl davor als auch danach glücklich auf der Bühne.“ Ein Tänzerleben bleibt eben etwas besonderes.

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