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TERMINE, TOURNEEN, TEXTE UND TANZGESCHICHTE


Petra Konerding ist Referentin der Intendanz und hat ein vielfältiges Wirkungsfeld.  Sie hält die Fäden in Hand, managt Termine, schreibt Texte, organisiert die Tourneen des Staatsballetts Berlin und betreut  die zahlreichen  internationalen Gäste und Produktionsteams.

Die neue Spielzeit 2015/16 hat begonnen. Was liegt auf Ihrem Schreibtisch?

Der Countdown läuft. Wir starten mit einem großen Projekt  in die neue Saison.  Das Staatsballett Berlin geht am 1. September  auf Tournee nach Spanien. Am Teatro Real in Madrid zeigen wir an fünf Abenden  die beiden Produktionen Dornröschen und einen dreiteiligen Abend mit Choerographien von Nacho Duato und Marco Goecke. Die Organisation einer Tournee ist Puzzel mit vielen Teilen.

Ein großes Projekt. Wie umfangreich ist die Planung?

Für 125 Personen heißt es, die Flüge und das Hotel zu organisieren und die Reiseunterlagen vorzubereiten. Dieser Reise geht ein intensiver Abstimmungsprozess mit der Technik, Maske und Kostüm, Licht- und Tonabteilungen mit der Deutschen Oper Berlin und der Staatsoper im Schiller Theater  voraus , an diesen Häusern werden die Produktionen in Berlin gezeigt. Mehr als  40 Kollegen der beiden Opernhäuser  begleiten die Tournee.  Auf meinem Schreibtisch haben sich viele Detailinformationen gesammelt, die zusammengeführt werden müssen. Konzentration ist mein Mantra in diesen Tagen.  Natürlich schwingt immer ein wenig Nervosität und die Frage: wird alles klappen? mit – aber ich werde das Ensemble nach Madrid begleiten  – eine wunderbare Perspektive.

Petra Konerding in der Staatsoper im Schiller Theater bei Proben zu "Anonymous" von Jiří Kylián

Petra Konerding in der Staatsoper im Schiller Theater bei Proben zu “Anonymous” von Jiří Kylián

… und nach der Tounee? Wie sieht für Sie ein gewöhnlicher Arbeitsalltag aus?

Darf ich lächeln? Gewöhnliche Arbeitstage im Staatsballett sind für mich von Seltenheit – jeder Tag ist neu, jeder Tag ist spannend. Mein Tätigkeitsprofil ist sehr abwechslungsreich. Im Zentrum meiner Arbeit seht der Begriff Kommunikation:  für die Stellvertretende Intendantin, Frau Dr. Theobald, und für den Intendanten, Nacho Duato, kümmere mich um die interne und externe Terminorganisation, verwalte die Spielplanung, stimme Vorstellungstermine  mit den Dirigenten ab, schreibe Texte. Für das Format “Ballett-Universität“  kooperiert das Staatsballett-Berlin seit vier Jahren mit dem Institut für Tanzwissenschaft der FU Berlin. Dabei stehen  die Stückeinführungen vor den Vorstellungen  und „lectures“ mit Referenten aus Tanz-, Theater- und Kulturwissenschaft auf dem Programm. Auf der Seite des Staatsballetts Berlin bin ich für dieses Format die erste Ansprechpartnerin.  Im Focus dieser Saison steht das vielversprechende  Thema „Berlin als Bühne – Stadtporträt aus der Perspektive des Tanzes“. 

Jetzt sind wir auf Ihren beruflichen Background neugierig geworden!

Vor dem Hintergrund meines Studiums der Ethnologie, Kunstgeschichte und Romanischen Philologie und einer Zusatzausbildung zur Vertriebs-und Marketingassistentin  war dieser Beruf nicht unbedingt absehbar – vor dem Hintergrund meiner Interessen und Leidenschaften für die Musik, den Tanz und die Oper,  ist ein persönlicher Traum in Erfüllung gegangen.  Er begann 2005 mit meiner Position  als persönliche Assistentin des 1. Generaldirektors der Stiftung Oper in Berlin, Michael Schindhelm. Nach meinem Studium war ich zunächst zwei Jahre als wissenschaftliche Volontärin in einer der größten Afrika-Sammlungen Deutschlands, dem Linden-Museum in Stuttgart, tätig. Praktika in renommierten Kunstverlagen, dem Belser Verlag (Stuttgart)  Phillipp von Zabern (Mainz) und später auch Thames & Hudson (London) waren dann ausschlaggebend für meine berufliche Laufbahn. Über zehn Jahre war ich dann im den Verlagen R. Piper Verlag und der Deutschen Verlags-Anstalt für die Autorenlesungen und  -betreuung zuständig, habe für Persönlichkeiten wie  Marcel Reich-Ranicki , Jehudi Menuhin, Sarah Kirsch und Carlos Fuentes, Sten Nadolny Veranstaltungen organisiert und sie  auf Lesereisen begleitet.

Diese Erfahrung kommt Ihnen jetzt zugute?

Unbedingt.  Mit der Betreuung der internationalen Gäste, wie zuletzt KYLWORKS und in dieser Spielzeit dem Norwegian  National Opera and Ballet, aber auch den vielen internationalen Choreographen und Solisten, die vom Staatsballetts Berlin eingeladen werden, schließt sich die berufliche Linie zu einem Kreis.

VOLLER EINSATZ FÜR DEN TANZ


Charlotte Butler ist Produktionsleiterin beim Staatsballett Berlin und sorgt für einen reibungslosen Ablauf bei den Proben und hinter der Bühne. Im Herbst 2014 feierte sie ihr 40-jähriges Dienstjubiläum, ihre Laufbahn begann 1974 als Tänzerin im Ballett der Deutschen Oper Berlin.

Wann begann Ihre Kariere als Tänzerin und seit wann sind Sie an der Deutschen Oper Berlin beschäftigt?
Nach meiner Ballettausbildung in London führte mich mein erstes Engagement 1970 in die Schweiz, anschließend war ich zwei Jahre in Freiburg und ein Jahr bei Pina Bausch, bevor ich im August 1974 an die Deutsche Oper Berlin kam. Vorerst wurde ich als Gruppentänzerin engagiert und avancierte später zur Demisolistin und 1979 zur Solistin. Im späteren Verlauf war ich auch als Ballettmeisterin tätig und irgendwann ergab es sich, dass ich auch organisatorische Aufgaben übernahm. So rutschte ich peu á peu in meine heutige Tätigkeit und bin seit 1997 Produktionsleiterin.

Wie kann man sich diese Tätigkeit vorstellen? Was sind die genauen Aufgaben?
Unter anderem die gesamte Koordination der Proben: Täglich muss festgelegt werden, wer für welche Probe eingeteilt ist, das betrifft die Tänzer, Korrepetitoren, Ballettmeister, Choreographen, die wissen müssen wann sie wo zu sein haben. Es müssen Kostümanproben und Bühnenproben organisiert werden, am Abend der Vorstellung müssen Requisiten und Kostüme bereitgestellt werden … Hinzu kommt, dass wir auf den Bühnen der drei Berliner Opernhäuser tanzen und ich somit mit sehr vielen Kollegen kommunizieren muss, um gewährleisten zu können, dass zur Vorstellung alles glatt läuft.

Charlotte Butler an ihrem Arbeitsplatz beim Staatsballett Berlin. Foto: Agnieszka Jasinska

Sie fungieren somit als Schnittstelle zwischen dem Staatsballett und den drei Opernhäusern?
Ja, so kann man sich das vorstellen. Ich bin für jegliche Anfragen zuständig sowie auch für die Weitergabe von wesentlichen Informationen. Beispielsweise müssen bei kurzfristigen Besetzungsänderungen die zuständigen Kollegen aus dem Bereich Kostüm benachrichtigt werden, um die passenden Kostüme bereitzustellen, oder die Kollegen aus der Öffentlichkeitsarbeit, um die Namensänderungen zu publizieren.

Ist es eine Erleichterung, dass Sie bereits viele Abläufe als Tänzerin kennenlernen konnten?
Diesen Job kann man nur schwer ausführen, wenn man nicht auf diese Erfahrung zurückgreifen kann. Nicht, dass es unmöglich ist, aber in vielen Situationen bin ich sehr froh, dass ich mich auf diese Expertise stützen kann.

Bis vor kurzem standen Sie in Charakterrollen wie in „Peer Gynt“ oder „Romeo und Julia“ auf der Bühne. Kehren Sie gern hin und wieder dort wieder zurück?
Ja, diese Vielseitigkeit empfinde ich als sehr bereichernd.

Es ist also Ihr Traumjob?
Ja, es macht mich glücklich, weiterhin so nah dran am Ensemble sein können und meine langjährige Erfahrung in den Job einbringen zu können.

Was war das letzte Highlight?
Definitiv die Produktion „Masse“, eine Kooperation mit dem Berghain und Norbert Bisky, der das Bühnenbild entwarf. Das war eine sehr intensive und konstruktive Zusammenarbeit für alle Beteiligten. Auch die Arbeit mit Alexei Ratmansky war ein Highlight. Es ist nämlich mittlerweile nicht so häufig, dass die Choreographen ihre Stücke selbst einstudieren. Es ist immer wieder toll, mit Menschen zusammenarbeiten zu können, die mit so viel Hingabe ihren Job ausführen. Deshalb muss ich an dieser Stelle auch die  Zusammenarbeit mit Maurice Béjart am „Ring um den Ring“ erwähnen, die zwar schon länger zurückliegt aber für mich als Tänzerin und auch Produktionsleiterin einzigartig war.

 

DAS KOSTÜM STEHT NIE ALLEIN FÜR SICH, ES GIBT IMMER EINEN SINN DAHINTER


Susan Kohlmorgen ist Produktionsleiterin im Bereich Kostüm an der Deutschen Oper Berlin und sorgt dafür, dass die Entwürfe der Kostümbildner umgesetzt werden. Für das Staatsballett Berlin hat sie bereits für einige Produktionen gearbeitet. Zuletzt arbeitete sie an der Seite von Tatiana Noginova an den Kostümen für NUSSKNACKER, an der Gala MALAKHOV & FRIENDS sowie an Angelin Preljocajs THE NIGHTS.

Wie ist Dein Beruflicher Werdegang? Wo hast Du gelernt?
Ich habe eine Schneiderlehre absolviert und einige Jahre in dem Beruf gearbeitet. Durch eine Cousine,  die Kostümbildnerin ist, bin ich ans Theater gekommen und ließ mich später an der Hamburger Fachschule für Gestaltung zur Gewandmeisterin ausbilden. Das ist die einzige Fachschule im deutschsprachigen Raum, die eine Zusatzausbildung anbietet, die auf die Bedürfnisse von Theater, Oper und Film zugeschnitten ist. Ursprünglich wollte ich eigentlich Mode machen, muss aber im Nachhinein sagen, dass ich ganz froh darüber bin, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

021213Staatsballett23Wie lange dauert die Ausbildung und welche Inhalte werden vermittelt?
Die Ausbildung dauert zwei Jahre und der Schwerpunkt liegt auf einer stimmigen Umsetzung der Kostümbild-Entwürfe. Einerseits geht es dabei um die Herstellung der Kostüme, zum Beispiel von historischen Bekleidungen. Andererseits um die Darstellung von Details, die sich aus dramaturgischen Notwendigkeiten ergeben, wie das Anbringen von Verschmutzungen oder andere Bearbeitungen.

Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es?
Eine abgeschlossene Schneiderausbildung und mindestens eine zweijährige Gesellentätigkeit im erlernten Beruf, davon 12 Monate in einer Theater- oder Kostümwerkstatt.

An welchen Bühnen warst Du bereits tätig?
Dadurch, dass ich immer frei gearbeitet habe, bekam ich Einblick in ganz unterschiedliche Projekte und war für eine Vielzahl von Häusern tätig. Dazu zählen beispielsweise die Kammeroper Rheinsberg, das Thalia Theater und Schauspielhaus Hamburg, Berliner Ensemble, Volksbühne, Maxim Gorki Theater, Theater 89, Festspielhaus Bayreuth und unterschiedliche Fernsehproduktionen.

Du kommst ja ganz nah an die Protagonisten heran. Unterscheidet sich die Arbeit zwischen Opernsängern, Schauspielern und Tänzern? Sind die einen komplizierter als die anderen?
Ja in der Tat. Tänzer sind sehr umgänglich. Ihnen ist es in erster Linie sehr wichtig, dass die Kostüme sie nicht in ihrem  Bewegungsfreiraum einschränken. Es kommt natürlich auch mal vor, dass ihnen etwas nicht gefällt, aber grundsätzlich ist die Zusammenarbeit sehr angenehm. Sie haben auch Körper, für die es unkompliziert ist, zu nähen. Schwieriger ist die Arbeit mit Schauspielern, die sich auf eine ganz intensive Weise mit ihren Kostümen auseinandersetzen. Dadurch, dass sie sich sehr mit der Rolle identifizieren, ziehen sie oftmals keine Grenze zwischen Privatleben und dem, was auf der Bühne stattfindet. Wenn ihnen privat violett nicht steht, wollen sie es beispielsweise auch nicht auf der Bühne tragen – obwohl es für die Rolle aber genau richtig ist. Ich habe nur sehr wenige Schauspieler kennen gelernt, die diese Grenze ziehen können.

Ist das Dein Traumjob? Wann ist der Entschluss gefallen, diesen Berufsweg einzuschlagen?
Ich habe nie was anderes im Kopf gehabt. Meine Großmutter war Schneiderin und mein Großvater Maler. Sie waren für mich wegweisend. Ich war zwar lange auf Mode fixiert, finde aber Bühne, ganz egal welche Sparte, spannender. Es ist nicht nur die Klamotte um die es dort geht, da steht immer eine Geschichte dahinter und es gibt immer einen Grund, warum ein Schauspieler zum Beispiel ein grünes T-Shirt trägt und nicht ein rotes. Die Kleidung steht nie allein für sich, es gibt immer einen Sinn dahinter.

Wie sieht ein gewöhnlicher Produktionsablauf aus?
Nach der Anfangsbesprechung legt man erst einmal Kostümordner an, selektiert die Kostüme nach Damen und Herren und prüft, was eventuell bereits im Fundus zur Verfügung steht. Dann schaut man, welche Stoffe besorgt werden müssen, betreibt Materialrecherche und legt fest, welche Kostüme neu genäht werden müssen. Das Nähen übernehmen für die Opernhäuser und einige Schauspielhäuser in Berlin die Werkstätten des stiftungseigenen Bühnenservices. Im nächsten Schritt finden die Kostümproben statt, diese müssen ausgewertet werden und die Änderungen an die Werkstätten in Auftrag gegeben werden. Natürlich muss gewährleistet sein, dass sich alle diese Tätigkeiten im Rahmen des vorgegebenen Budgets bewegen. Kostenkalkulation und – Überwachung gehören auch in meinen Bereich.

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