ROLLENDEBÜT


Dinu Tamazlacaru, Erster Solotänzer des Staatsballetts Berlin, wird am 17. April in ROMEO UND JULIA als Romeo debütieren. An seiner Seite wird Iana Salenko nach der Choreographie von John Cranko tanzen. Die nächsten Vorstellungen sind am 24. und 29. April 2014.

Mit ROMEO UND JULIA schuf John Cranko bereits 1962 einen Ballettklassiker: eine der schönsten und meistgespielten Adaptionen der Shakespeare-Tragödie, die für den Tanz geschaffen wurde. Cranko zeichnet in seiner Choreographie, die er 1962 für das Stuttgarter Ballett entwickelt hat, die unterschiedlichen Charaktere lebendig und authentisch. Die Fülle von Rollen stellen tänzerisch als auch schauspielerisch extrem hohe Anforderungen an die Tänzer. Neben der Technik muss auch das dramatische Können überzeugen, insbesondere in der sensiblen Darstellung der Protagonisten.

ROMEO, einziger Sohn der Montagues, versucht zunächst, die Streitigkeiten der Familienclans zu schlichten, wird aber ungewollt zum Gewalttäter. Mit seiner wirklichkeitsfernen, fantasievollen, melancholisch bis depressiven Veranlagung gilt er als Prototyp des zweifelnden, unentschlossenen Menschen. Er ist diesbezüglich mit Hamlet verwandt.
JULIA, fast vierzehnjährige Tochter der Capulets, gehört zu
Shakespeares Rebellinnen: sie lehnt sich gegen die von ihren Eltern gewünschte Ehe mit Paris auf, und ist innerhalb der Beziehung zu Romeo der stärkere Pol. Julia initiiert die Hochzeit, riskiert Lorenzos Giftgemisch und wählt entschlossen den Freitod. (Programmbuch ROMEO UND JULIA der Staatsoper Unter den Linden, 2002)

Um der Anforderung, Tanz und schauspielerische Elemente zu verbinden, gerecht zu werden, proben Iana und Dinu seit Wochen intensiv mit der Ballettmeisterin Christine Camillo.

Bettina Stöß hat die drei bei einer Probe mit der Kamera begleitet.

DAS KOSTÜM STEHT NIE ALLEIN FÜR SICH, ES GIBT IMMER EINEN SINN DAHINTER


Susan Kohlmorgen ist Produktionsleiterin im Bereich Kostüm an der Deutschen Oper Berlin und sorgt dafür, dass die Entwürfe der Kostümbildner umgesetzt werden. Für das Staatsballett Berlin hat sie bereits für einige Produktionen gearbeitet. Zuletzt arbeitete sie an der Seite von Tatiana Noginova an den Kostümen für NUSSKNACKER, an der Gala MALAKHOV & FRIENDS sowie an Angelin Preljocajs THE NIGHTS.

Wie ist Dein Beruflicher Werdegang? Wo hast Du gelernt
Ich habe eine Schneiderlehre absolviert und einige Jahre in dem Beruf gearbeitet. Durch eine Cousine,  die Kostümbildnerin ist, bin ich ans Theater gekommen und ließ mich später an der Hamburger Fachschule für Gestaltung zur Gewandmeisterin ausbilden. Das ist die einzige Fachschule im deutschsprachigen Raum, die eine Zusatzausbildung anbietet, die auf die Bedürfnisse von Theater, Oper und Film zugeschnitten ist. Ursprünglich wollte ich eigentlich Mode machen, muss aber im Nachhinein sagen, dass ich ganz froh darüber bin, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

021213Staatsballett23Wie lange dauert die Ausbildung und welche Inhalte werden vermittelt?
Die Ausbildung dauert zwei Jahre und der Schwerpunkt liegt auf einer stimmigen Umsetzung der Kostümbild-Entwürfe. Einerseits geht es dabei um die Herstellung der Kostüme, zum Beispiel von historischen Bekleidungen. Andererseits um die Darstellung von Details, die sich aus dramaturgischen Notwendigkeiten ergeben, wie das Anbringen von Verschmutzungen oder andere Bearbeitungen.

Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es?
Eine abgeschlossene Schneiderausbildung und mindestens eine zweijährige Gesellentätigkeit im erlernten Beruf, davon 12 Monate in einer Theater- oder Kostümwerkstatt.

An welchen Bühnen warst Du bereits tätig?
Dadurch, dass ich immer frei gearbeitet habe, bekam ich Einblick in ganz unterschiedliche Projekte und war für eine Vielzahl von Häusern tätig. Dazu zählen beispielsweise die Kammeroper Rheinsberg, das Thalia Theater und Schauspielhaus Hamburg, Berliner Ensemble, Volksbühne, Maxim Gorki Theater, Theater 89, Festspielhaus Bayreuth und unterschiedliche Fernsehproduktionen.

Du kommst ja ganz nah an die Protagonisten heran. Unterscheidet sich die Arbeit zwischen Opernsängern, Schauspielern und Tänzern? Sind die einen komplizierter als die anderen?
Ja in der Tat. Tänzer sind sehr umgänglich. Ihnen ist es in erster Linie sehr wichtig, dass die Kostüme sie nicht in ihrem  Bewegungsfreiraum einschränken. Es kommt natürlich auch mal vor, dass ihnen etwas nicht gefällt, aber grundsätzlich ist die Zusammenarbeit sehr angenehm. Sie haben auch Körper, für die es unkompliziert ist, zu nähen. Schwieriger ist die Arbeit mit Schauspielern, die sich auf eine ganz intensive Weise mit ihren Kostümen auseinandersetzen. Dadurch, dass sie sich sehr mit der Rolle identifizieren, ziehen sie oftmals keine Grenze zwischen Privatleben und dem, was auf der Bühne stattfindet. Wenn ihnen privat violett nicht steht, wollen sie es beispielsweise auch nicht auf der Bühne tragen – obwohl es für die Rolle aber genau richtig ist. Ich habe nur sehr wenige Schauspieler kennen gelernt, die diese Grenze ziehen können.

Ist das Dein Traumjob? Wann ist der Entschluss gefallen, diesen Berufsweg einzuschlagen?
Ich habe nie was anderes im Kopf gehabt. Meine Großmutter war Schneiderin und mein Großvater Maler. Sie waren für mich wegweisend. Ich war zwar lange auf Mode fixiert, finde aber Bühne, ganz egal welche Sparte, spannender. Es ist nicht nur die Klamotte um die es dort geht, da steht immer eine Geschichte dahinter und es gibt immer einen Grund, warum ein Schauspieler zum Beispiel ein grünes T-Shirt trägt und nicht ein rotes. Die Kleidung steht nie allein für sich, es gibt immer einen Sinn dahinter.

Wie sieht ein gewöhnlicher Produktionsablauf aus?
Nach der Anfangsbesprechung legt man erst einmal Kostümordner an, selektiert die Kostüme nach Damen und Herren und prüft, was eventuell bereits im Fundus zur Verfügung steht. Dann schaut man, welche Stoffe besorgt werden müssen, betreibt Materialrecherche und legt fest, welche Kostüme neu genäht werden müssen. Das Nähen übernehmen für die Opernhäuser und einige Schauspielhäuser in Berlin die Werkstätten des stiftungseigenen Bühnenservices. Im nächsten Schritt finden die Kostümproben statt, diese müssen ausgewertet werden und die Änderungen an die Werkstätten in Auftrag gegeben werden. Natürlich muss gewährleistet sein, dass sich alle diese Tätigkeiten im Rahmen des vorgegebenen Budgets bewegen. Kostenkalkulation und – Überwachung gehören auch in meinen Bereich.

DIE GOLDENEN REGELN


Der russische Choreograf Alexei Ratmansky spielt in “Namouna” mit den Konventionen des Balletts

Sandra Luzina besuchte Ratmansky bei der Probe zu “Namouna” beim Staatsballett Berlin und sprach mit dem derzeit gefragtesten Choreografen in der Welt des klassischen Balletts.

Alexei Ratmansky hält es während der Probe nicht auf seinem Stuhl. Der russische Choreograf feilt gerade an einem Trio aus seinem Ballett “Namouna”. Immer wieder springt er auf und zeigt den Tänzern Marian Walter, Rainer Krenstetter und Alexej Orlenco die Schritte. “Schneller!”, ruft er ihnen zu, “das Bein gestreckt!” Bei allem Elan wird doch höchste Präszsion verlangt. Die Arbeit mit Ratmansky – das sieht man gleich – ist überaus fordernd. “Die Tänzer werden schwitzen”, verspricht er denn auch beim anschließenden Gespräch im Foyer de la Danse. Und fügt noch hinzu: “Es ist ein sehr ehrlicher Tanz.” Denn es seien Schritte aus der danse d’école, da könne ein Tänzer nicht schummeln.

Alexei Ratmansky ist derzeit der gefragteste Choreograf in der Welt des klassischen Balletts. Der 45-Jährige wird wie ein Retter verehrt, der den akademischen Tanz revitalisiert, indem er ihn mit einer zeitgenössischen Energie auflädt. Alle großen Compagnien reißen sich um den gebürtigen St. Petersburger, der seit einigen Jahren in New York lebt. Das Staatsballett Berlin übernimmt nun das Ballett “Namouna”, das er 2010 für das New York City Ballet kreiert hat.

Vladimir Malakhov und Alexei Ratmansky kennen sich noch aus der Bolschoi-Ballettschule, wo sie dieselbe Klasse besucht haben. “Vladmir und ich haben Russland ungefähr zur selben Zeit verlassen”, erzählt Ratmansky. “Unsere Generation ist hinter dem Eisernen Vorhang aufgewachsen. Als dann die Öffnung kam, war es für uns eine Notwendigkeit, zu gehen und neue Erfahrungen zu sammeln.” Schnell wurde ihm klar, dass er noch sehr viel lernen muss. “Ich wusste nichts von der Existenz von Nurejew und Baryschnikows. Ich hatte auch noch nie ein Ballett von Balanchine gesehen. Es war eine ganz neue Welt, die sich auftat.”

Von 1992 bis 95 war er beim Royal Winnipeg Ballet in Kanada engagiert, danach tanzte er von 1997 bis 2002 als Solist am Königlich Dänischen Ballett in Kopenhagen. Als Choreograf hat er sich einen Namen mit der Wiederbelebung von Klassikern sowie von Werken aus der Sowjet-Ära gemacht. Seine Neufassung von Schostakowitschs Kolchosen-Tanzoperette “Der helle Bach” brachte ihm dann den Chefposten beim Bolschoi-Ballett. Fünf Jahre leitete er die weltberühmte Compagnie. Ein gefährlicher Job, wie man seit dem Säureangriff auf seinen Nachfolger Sergei Filin weiß. Wenn man ihn fragt, wie er diese Zeit überlebt hat, entgegnet er: “Ich bin Russe. Ich habe selbst die Bolschoi-Schule besucht – ich weiß, wie es dort läuft. Es war alles zusammen: Drama, Stress, Inspiration und Glück.” Nein, er bereue die fünf Jahre als Ballettdirektor des Bolschoi nicht. Doch er hat dann wohl zum richtigen Zeitpunkt das Weite gesucht. Seitdem läuft alles wie am Schnürchen. Er konnte schnell Fuß fassen in Ne  w York, 2009 wurde er Artist in Residence beim American Ballet Theatre, zuvor hatte ihn schon das New York City Ballet umworben.

“Namouna” zur Partitur von Edouard Lalo aus dem Jahr 1882 könnten manche für eine Parodie halten. Doch Ratmansky will sich keineswegs lustig machen über das Ballett, beteuert er: “,Namouna’ zelebriert die Konventionen des Balletts des 19. Jahrhunderts – man könnte sie auch die goldenen Regeln nennen.” Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Handlungsballett aussieht, wird doch keine Geschichte erzählt. Dafür ist “Namouna” eine wunderbare Extravaganza. Der Held, der nach seiner Liebsten sucht, trägt einen Matrosenanzug und trifft auf eine Schar von Nymphen. Außerdem tritt eine rauchende Ballerina auf. Da es sich um ein “grand divertissement” handelt, ist eine Suite von brillanten Tänzen zu sehen, die das choreografische Raffinement Ratmanskys demonstrieren. Dass das klassische Ballett eine überholte Kunst ist, findet er nicht. “Die Sprache des Ballets inspiriert mich, ich glaube auch nicht, dass sie altmodisch ist. Es kommt darauf an, wie du sie benutzt und wofür.”

Schon zu Schulzeiten wurde ihm klar, dass er Choreograf werden will. Nun genießt er es, dass er sich als Freelancer ganz auf seine choreografische Arbeit konzentrieren kann – und dass er Verschiedenes ausprobieren kann. “Als Freischaffender darf ich Fehler machen – mehr als am Bolschoi”, sagt er. Er hat jüngst wieder fürs Bolschoi inszeniert. “Wir sind nicht geschieden”, bestätigt er. Doch er macht keinen Hehl daraus, dass er sich in der amerikanischen Ballettszene sehr wohlfühlt. “Ich schätze Balanchines Ästhetik sehr – und auch seine Ethik”, betont er. Bei Balanchine stehen die Choreografie und die Musik im Vordergrund. Nicht die Stars. “Es geht nicht um Dramen, sondern um Bewegungen. Das ist ein sehr schöner Zugang zum Tanz.”

RATMANSKY | WELCH
Staatsoper im Schillertheater: Premiere 22.3., 19.30 Uhr. 26.3., 19.30 Uhr und 30.3., 18 Uhr

Erschienen am :  27.02.14 in der SPIELZEIT
DER TAGESSPIEGEL – Beilage für Theater, Musik und Tanz
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